Gentech-Moratorium in der Schweiz

Gentechnik-Befürworter der Schweiz mobilisieren mit voller Kraft gegen ein fünfjähriges "Gentech-Moratorium"
| 22. November 2005 
Am Sonntag, dem 27.November 2005, wird entschieden, ob die Freisetzung von Gentechnisch Veränderten Organismen (GVO) in der Schweiz ausgesetzt wird. Bezeichnenderweise laufen die Wirtschaftsverbände, Finanzkreise und an ihrer Spitze deren mediales Flagschiff, die Neue Zürcher Zeitung, Sturm gegen diese Volksabstimmung. Dies mit den üblichen Argumenten, nämlich dass ein Nebeneinander zwischen gentechnikfreier und gentechnikanwendender Landwirtschaft sehr wohl möglich sei, da der Pollenflug von gentechnikveränderten Pflanzen angeblich nur kleinräumig und somit nachvollziehbar erfolge. Und wenn die Schweiz im globalen Wettbewerb sich aus der Gentechnik verabschiede, dann würden eben andere Länder dieses Vakuum füllen.

Meint die NZZ (siehe auch NZZ online) damit Deutschland, wo zu befürchten ist, dass die Großkoalitionäre die bisherigen gesetzlichen Beschränkungen demnächst zugunsten der Gentechnik-Anwendung auflockern werden? Das Nachbarland Österreich können sie nicht gemeint haben. Dort wird verstärkt marktwirtschaftlich argumentierend auf die Gentechnikfreiheit gesetzt, da europaweit die VerbraucherInnen trotz aller "Aufklärungskampagnen" der Gentechnikbefürworter nicht bereit sind, die Risiken der Gentechnik widerstandslos hinzunehmen. Das "Argument", dann werden halt die anderen Ländern auf die Gentechnik-Vermarktung setzen, steht daher auf tönernen Füßen, genauso wie seinerzeit bei der Atomkraft gegen einen "einseitigen Ausstieg" in Deutschland polemisiert wurde. Aber wegen des deutschen Ausstiegswillen und der Förderung der erneuerbaren Energien konnte Deutschland damit marktwirtschaftlich europa- und weltweit punkten.

Merkwürdig bleibt, dass in der Schweiz sowohl bei der Atom- als auch der Gentechnik die wirtschaftlich ach so cleveren Finanz- und Industriekreise der ökonomische Sachverstand im Stich lässt. Bleibt nur zu hoffen, dass bei der Volksabstimmung zum "Gentech-Moratorium" der wirkliche ökonomische Sachverstand gegen den von seinen „Gralshütern“ nur als wirtschaftlich bezeichneten Sachverstand  die Oberhand behält.

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