Der Supergau von Fukushima und die regional-globale Energiewende

| 13. September 2011 
Atom 
Am 12.September 2011 hatte der Verantwortliche Redakteur vonTachelesRegional Gelegenheit in Trier/Kornmarkt auf der Mahnwache zum Gedenken an den Supergau in Fukuhisma vor einem halben Jahre vor ca. 60 Versammelten seine Reflektionen zur regional-globalen Energiewende darzustellen.

10 JAHRE TERRORANGRIFF AUF DAS NEW YORKER WORLD TRADE CENTER – EIN HALBES JAHR FUKUSHIMA-SUPERGAU

In Japan wurde gestern beider schrecklichen Ereignisse bei denen japanische Opfer zu beklagen waren, gedacht.

Gibt es darüber hinaus irgendeine Gemeinsamkeit zwischen diesen beiden Ereignissen.

Ich meine JA!

Beides waren genau betrachtet keine unvorhersehbare. keine unvermittelt aus-brechende Ereignisse.

Beide schrecklichen Ereignisse hatte ihre Vorgeschichte, beide wären in diesem Ausmaß vermeidbar gewesen!

Wird uns denn nicht immer erzählt, dass Krieg zum Wesen des Menschen gehört genauso wie Naturkatastrophen, letztendlich unvermeidlich?

Beides sind große Lügen, Lügen, die dazu dienen sollen, dass wir uns in das angeblich Unvermeidbare hinein fügen.

 

Wo man, wo wir, angeblich nichts dagegen machen können.

Wir wissen aber genau, dass ohne die Irakkriege, die einzig und allein dazu dienten, die letzten nicht erneuerbaren ausrinnenden Energiequellen für die transnationalen Konzerne zu sichern, wesentlich mit dazu beigetragen haben, dass diese Terrorkriege mit dem „asymmetrischen Terror“ von Al Kaida gekontert wurden.

Nein, das soll und kann nicht gerechtfertigt werden, aber es gehört zur Vorgeschichte hinzu des 11.September 2001 dazu.

Und genau gehört zur Vorgeschichte des Fukushima-Supergaus hinzu, dass , wie Rolf Schick es einmal formuliert hat

ERDBEBEN KEINE NATURKATASTROPHEN SIND, SONDERN NATUREREIGNISSE .

Und schon 1997 schlussfolgerte daher der Seismologe ISHIBASHI KATSUHIKO:

Weil man mit Katastrophenschutzmaßnahmen Erdbeben nicht verhindern kann, müssen wir uns grundsätzlich bemühen von der Atomenergie loszukommen!

Und so bemühen sich jetzt die Japanerinnen grundsätzlich darum, von der Atomenergie loszukommen, genauso wie sich ja schon immer bemüht hatten nach den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki grundsätzlich von Atomwaffen loszukommen. Mit der Erkenntnis, dass nur beides zusammen gehen kann: Atomkraft und Atomwaffen, das sind ja bloß 2 Seiten derselben Medaille. Denn die „friedliche Nutzung“ der Atomkraft sollte wesentlich den unermesslichenn Energiehunger des globalisiertenn Industriekapitalismus stillen.Uund sollte zudem mit der Plutoniumproduktion auch in Japan die Möglichkeit des Baus von Atomwaffen offenhalten.

In den arabischen Ländern versucht man den Terror der absoluten Despoten – lange Zeit gestützt vom „freien Westen“ loszuwerden durch die demokratischen Basisrevolutionen.

Auch in Japan war die Voraussetzung dafür, dass nunmehr über drei Viertel der Bevölkerung Abschied von der Atomkraft nehmen will, dass es zahlreiche Demonstrationen gab, so auch gestern, wo erneut mehrere Tausende Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft forderten.

Und neben den japanisch-sprachigen Transparenten fehlt nie dabei der deutschsprachige Slogan „Atomkraft Nein Danke!“

Also in diesem Falle bin ich schon stolz darauf als ein Deutscher Teil der globalen Basisbewegung für eine atomwaffenfreie und atomkraftfreie Weltgemeinschaft zu sein.

Jetzt kommt noch eine Gemeinsamkeit zwischen Deutschland und Japan hinzu, ja mehr noch zwischen den Bürger-meistern in Deutschland und Japan:

Der Onlinedienst vom 11.September des Kölner Stadtanzeigers berichtete:

Sechs Monate nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima ist aus dem einst automkraftfreundlichen Japan ein Land von Kernenergiegegnern geworden.

Und jetzt kommt es:

Zwei Drittel aller Kommunen wollen keine neuen Atomkraftwerke... und 27 Prozent aller Gemeindevorsteher sprachen sich dafür aus, existierende Atommeiler früher vom Netz zu nehmen. Nur 17 Prozent der Befragten würden den Bau neuer Kraftwerke in ihren Gemeinden erlauben – und dann nur mit verbesserten Sicherheitsauflagen!“

Und das passiert alles in einem Land, wo doch unsere Medien immer wieder kurz nach dem Supergau behaupteten:“Also eines tun die Japanerinnen auf keinen Fall, die demonstrieren nicht für den Atomausstieg“!

Nun gut, die hatten ja auch nicht glauben wollen, dass in den arabischen Ländern es möglich ist die Despoten wegzufegen. Von wegen die da unten seien doch gar nicht demokratiefähig. Hatte das nicht der Bestsellerautor Sarrazin immer behauptet?

Also kommen wir zu uns:

Auch hier gibt es wie in Japan 2 Zeitrechnungen:

Vor und Nach-Fukushima!

Vor Fukushima hatte ich in meiner Eigenschaft als Ortsbürgermeister versucht angesichts der „Verlängerungen der Laufzeiten der Atom-Kraftwerke“ gepuscht von Merkel und Westerwelle in das Amtsblatt der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf den Aufruf der ausgestrahlt.de-Kampagne für den Sofortausstieg aus der Atomkraft veröffentlichen zu lassen.

Worauf der Verbandsbürgermeister Hans-Dieter Dellwo mir dies untersagte. Und die Kommunalaufsicht in Wittlich ihm zur Hilfe eilte.

Die verwies auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Koblenz, wo es hieß: „Ein Ortsbürgermeister darf im amtlichen Teil eines Mitteilungsblattes keine Stellungnahme zu allgemein politischen Fragen abgeben, die keinen spezifischen Bezug zu seiner seiner Gemeinde haben!

Diese Rechtsprechung richtete sich gegen einen CDU-Kollegen, der in einem Weihnachtsgruß die vorbildhafte Merkel-Westerwelle-Politik anpries.

Klar so etwas ist echt geschmacklos – zumal in einem Weihnachtsgruß –, aber anderseits können ihn die WählerInnen bei den nächsten Wahlen einfach abwählen. Urdemokratisch, da muss man ja nicht mit RechtsKanonen auf schwarze Spatzen schießen!

Mir gegenüber wurde versucht zu behaupten, es gäbe keinen keinen Bezug zwischen der immensen Gefährdung durch die Existenz des nordfranzösischen Uralt-AKW Cattenon und der Existenz von Neunkirchen im Hunsrück – ca. 70 km Luftlinie von Cattenon entfernt.

Einfach absurd, da keinen konkreten Bezug sehen zu wollen!

Aber wie gesagt, dass war vor Fukushima. Nach Fukushima wurden sowohl vom Landkreis Trier-Saarburg, von der Stadt Trier als auch vom Landkreis Bernkastel-Wittlich einstimmige Resolutionen zur Einstellung des Weiterbetriebs des störanfälligen AKWs CatteNON verabschiedet.

Sehr, sehr erfreulich!

Also schrieb ich an die Kommunalaufsicht in Wittlich am 19.Juli:

Guten Morgen Frau Werner,

kürzlich hatte ich das zweifelhafte Vergnügen „offensichtlich rechtswidrig“ Unterschriften zu sammeln für die Kreistagsresolution zur Einstellung des Atomkraftwerkes Cattenom. Dies tat ich mit einem guten Gefühl, da der Kreistag nicht nur ein „allgemein politisches Mandat“ in Anspruch genommen hatte, ja er hat sogar versucht sich in die Europa- und Weltpolitik einzumischen. Dies offensichtlich deshalb, weil der Kreistag erkannt hatte, dass man ja nicht bei einem Alleingang aus der Atomkraft in Deutschland stehen bleiben darf, sondern dass man global – wie das Fukushima-Desaster bewiesen hat – den Ausstieg aus der Atomkraft voranbringen muss.

Aber der Kreistag hatte beim Abfassen und der Verabschiedung seiner Cattenon-Resolution einen sehr hellen Moment ganz im Sinne des großen Philosophen Karl Jaspers, der da meinte:

Wahre Politik ist Weltpolitik: Wahre Politik auch der Kleinsten ist heute Weltpolitik, oder an der Wirklichkeit der Weltpolitik orientiert.“

Und noch eins: Die bisherigen Restriktionen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, insbesondere bei der Windkraft innerhalb der Planungs-Gemeinschaft Trier sind radikal abgebaut worden.

Und so können auch wir im kleinen Neunkirchen (159 EW) hoffentlich demnächst zusammen mit den Nachbargemeinden einen Windpark mit sechs Windenergieanlagen zu errichten, was auch hilft die marode Gemeindekasse ein wenig aufzufüllen. Aufzufüllen mit Pachteinnahmen aus der Windkraft. Vor zehn wurde uns das noch mit dem Hinweis auf die Zerspargelung der Landschaft und der nachteiligen Auswirkungen auf den Tourismus vom Verbandsgemeinderat Thalfang am Erbeskopf verwehrt wurde.

Und jetzt – nach Fukushima sieht alles anders aus. Und was den Tourismus betrifft, da gibt es einen neuen Baedeker Reiseführer mit dem Titel

Deutschland – Erneuerbare Energien entdecken.“

Auf Seite 128 wird die Morbacher Energielandschaft wie folgt dargestellt:

Ein einzigartiges Energieprojekt: Aus einem 145 ha großen ehemaligen Munitionsdepot der US – Amerikaner wird ein breiter Mix Erneuerbarer Energien genutzt. Bereits heute erzeugt damit die 10.000 Einwohner-Gemeinde so viel Strom, wie etwa 30.000 Menschen .“

Und dies zeigt und erklärt man gerne Besuchern Besuchern im Rahmen von Führungen!

Solch einen Tourismus lass ich mir gerne gefallen: Ist eine echte Alternative zum Ballermann auf Mallorca, wo man sich hinfliegen kann mit klimaschädlichen subventionierten Billigflügen.

Wir sehen: Geht Doch! Wir müssen es nur wollen!

Und damit nicht genug: Kürzlich haben die Stadtwerke Trier (SWT) die 21 OrtsbürgermeisterInnen unserer Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf zu einer Besichtigungstour zu drei SWT-Windkraftanlagen in Reinsfeld/Kreis Trier-Saarburg und zum PV-Solarfeld in Kenn eingeladen.

Wir, meine KollegInnen und ich, waren alle sehr beeindruckt über die Bemühungen zur Energiewende im Großraum Trier.

Abends dann gab es ein Abendessen: Im alten Kenner Wasserwerk: Ein Glas Sekt zur Begrüßung: Ein Häppchen zum Vorgeschmack: Danach Lachs, Steaks und Gemüse, Wein, Bier und Dessert. Schmeckte alles vorzüglich.

Die Tischansprachen vom SWT-Vorstand Dr. Olaf Hornfeck und dem Verbandsbürgermeister Hans-Dieter Dellwo betonten unisono die Chancen der regionalen Energiewende wegen der regionalen Wertschöpfung. Alles bleibt in der Region für die Region.

Beim Abschied dann erlaubte ich mit beim großherzigen Gastgeber dennoch ein vielleicht unziemliche Frage:

Herr Doktor Hornfeck, vielen Dank für die aufmerksame Betreuung, aber ich hab gehört, dass die SWT noch engagiert ist in Kohle....“

Und ich konnte gar nicht mehr aussprechen, da war dieser bislang so eloquente Gastgeber völlig außer sicher:

Wer glaubt, man könne einfach den Schalter umlegen, der liegt vollkommen daneben. Ja, wir brauchen noch Kohlestrom aus Hamm, wir brauchen auch Atomstrom aus Cattenon. Was wünschenswert ist, das ist die eine Sache, was realistisch ist, das ist eine andere Sache!“

Die KollegenInnen ringsum waren leicht irritiert, und ich lenkte ein mit den Worten:

Ich wollt ja nur mal fragen, hat aber trotzdem alles lecker geschmeckt!“

Aha, dacht ich dann doch insgeheim: In Japan musste Ministerpräsident Kan seinen Posten räumen, weil er zu offen das Ende des Atomzeitalters eingeläutet hatte, und die Bürokratie versucht ihn auszubremsen.

Und in den arabischen Ländern biedern sich alle Politiker des Westens als Freunde der „Jasminrevolution“ an.

Und ein Plakat von ausgestrahlt hat daher zu Recht gefordert:

Es gibt noch viel zu tun! Wir freuen uns über jedes abgeschaltete AKW und streiten weiter, bis alle Atomanlagen stillgelegt sind!“

Und uns hier im Großraum Trier gilt mehr denn je:

Damit für die SWT das letzte Schlupfloch zugestopft wird, muss CatteNON stillgelegt werden! Und zwar Sofort. Und alle Beteiligung am Kohlekraftwerk Hamm sind abzugeben. Auch sofort!“

Wir sind also noch lange nicht durch mit der Energiewende, mit dem Atom-ausstieg.

Aber nach Fukushima wird unmissverständlich klar:

Jetzt geht´s los mit dem endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft – hier und weltweit.“

Und, auch das eine Ironie der Weltgeschichte: Deutschland, Japan und Italien, wo ja ein erfolgreiches Volks-Referendum für den Atomausstieg auch gegen den BUNGGA-BUNGA-Berlusconi, dem alten Busenfreund von Gaddafi, durchgesetzt wurde, .....

also Deutschland, Japan und Italien, die seinerzeit vor 1945 die Welt in den Abgrund stürzten, die haben die einmalige Chance nunmehr zum Segen der Menschheit endgültig den Abschied von der Atomkraft weltweit entscheidend voranzubringen.

Und wir helfen hier dabei mit der baldigen Stilllegung von CatteNON !!!

 

 

 

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