Marktcheck Elektrogeräte: Thema Energie ist im Einzelhandel noch nicht angekommen

Verbraucherzentralen bekräftigen Forderung nach Prämien für besonders energieeffiziente Geräte
| 11. Dezember 2008 
(VZ-RLP/ 11.12.2008) Wer zu Weihnachten in einen besonders Strom sparenden Kühlschrank oder DVD-Rekorder investieren will, wird im Einzelhandel womöglich enttäuscht. Ein Markttest des Instituts für angewandte Verbraucherforschung (IFAV) fand im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands heraus: Das Thema Energieeinsparung ist trotz der aktuellen Diskussion im Elektrogeräte-Einzelhandel noch nicht angekommen.

Der Marktcheck nahm zwischen 10. und 30. November in bundesweit 869 Geschäften, davon 35 in Rheinland-Pfalz, die Präsentation von Kühlschränken, Kühl-Gefrierkombinationen und Wäschetrocknern unter die Lupe. Alle drei Produktarten müssen über das Energieverbrauchsetikett den Stromverbrauch ausweisen. In 897 Geschäften (34 in Rheinland-Pfalz) wurde zudem untersucht, ob die Hersteller von Flachbildschirmen, Notebooks und DVD-Rekordern freiwillig Angaben zum Stromverbrauch ihrer Produkte machen. In einem weiteren Schritt ließen sich Testkäufer in 92 Geschäften (bundesweit in 1470) über den Energieverbrauch von Flachbildfernsehern, in 76 Geschäften (bundesweit in 1398) über jenen von Espressomaschinen beraten.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Noch immer finden sich viel zu wenig Kühlschränke und Kühl-Gefrierkombinationen mit der besonders sparsamen Energieklasse "A++" im Sortiment von Kaufhäusern, Elektronikmärkten und Fachgeschäften. So trugen in Rheinland-Pfalz nur 8,7 Prozent der in 29 Läden begutachteten Kühl-Gefrierkombinationen den Energiehinweis der besten Klasse. Bei Wäschetrocknern der Klasse A waren es 16,9 Prozent (in 33 Geschäften). Diese Zahlen decken sich weitgehend mit den bundesweiten Ergebnissen.

„Das Angebot wird noch immer von Modellen mit relativ ungünstiger Energieeffizienz dominiert. Dabei erhöhen gezielte Prämienprogramme oder Steuererleichterungen für hocheffiziente Geräte nachweislich das Angebot im Handel", so Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Dies bestätigen auch Erfahrungen aus Italien. Dort erreichten Kühl-Gefrier-Kombinationen der Klassen "A+" und "A++" nach Durchführung eines Prämienprogramms einen Marktanteil bei Neugeräten von fast 90 Prozent.

Bei den zu Weihnachten besonders stark beworbenen Flachbildfernsehern wiesen noch nicht einmal die Hälfte (48,2 Prozent) der in den rheinland-pfälzischen Geschäften ausgestellten Geräte den Energieverbrauch aus, und das auch nur, weil viele Fachmärkte selbst auf den Preisschildern angaben, wie viel Strom die Geräte im Betrieb und im Stand-By-Modus fressen. Bundesweit waren es sogar nur 43,5 %. Bei Notebooks fanden sich bei 24,7 Prozent der Geräte (bundesweit 23,6%) Hinweise zum Energieverbrauch – unter anderem durch das Energy-Star-Label. Bei DVD-Rekordern scheint der Energieverbrauch dagegen kein Thema zu sein: Bei keinem der ausgestellten Geräte gab es irgendwelche Hinweise.

„Auch bei der Unterhaltungselektronik müssen deutlich mehr Geräte mit niedrigem Energieverbrauch ins Sortiment“, fordert Weinreuter. „Zudem muss das Verkaufspersonal besser geschult werden, um über den Energieverbrauch und die Betriebskosten der Geräte informieren zu können. Das ist jetzt besonders wichtig, da es bei Unterhaltungselektronik und kleineren Haushaltsgeräten noch keine Kennzeichnungspflicht gibt."

Defizite im Verkaufsgespräch ergaben sich auch bei Testkäufen von Espressomaschinen. Auf die Frage, wie viel Strom das angebotene Modell verbrauche, konnten immerhin 36,8 Prozent der befragten Verkaufskräfte eine Antwort geben, bundesweit sogar 47,4%. Auf die Nachfrage, was das Gerät im Gebrauch kostet, wussten jedoch nur noch 15,8 Prozent (bundesweit 6,1%) eine Antwort.

Mit Beginn des neuen Jahres zeichnet das Umweltzeichen "Blauer Engel" besonders energiesparende und klimafreundliche Waren und Dienstleistungen aus. Zu den ersten Produktgruppen, die das bekannte Umweltzeichen ab 2009 tragen werden, sollen neben Kühlschränken und Waschmaschinen auch Fernsehgeräte und Espressomaschinen gehören. Details der Studie finden Interessierte auf der Internetseite www.vzbv.de.

VZ-RLP

Ansprechpartner für weitere Informationen:
-         Hans Weinreuter, Energiereferent

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Marktcheck RLP

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