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Ein Tag: Gedicht vom Wolfgang Maciuga, Immert in Hunsrück

Sonntag, 27. Juni 2021 | 14:41h | Alter: 33 Tage
In den kleinen Hunsrückdörfern leben eigenwiilige noch unentdeckte Poeten. Heimtlose Heimdichter auf der Suche nach dem, was "die Welt im Innersten zusammenhält": In spröden berührenden Bildern, wahrhaftig und kompromisslos.

Ein Tag

Schwarzer Storch,wohin des Wegs

warum kreuzt du meinen Pfad?

Welch sonderbares Ding hat dich bewogen,

das du erscheinst an diesem

so gewöhnlich merkwürdigen Tag?

 

Du gleitest auf dem Schein der Morgensonne zu mir hin,

gerade so,

als wärst du grad erst dort geboren,

und hättest mich, den Mensch,

aus einem vorbestimmten,

streng geheimen Grund erkoren,

deine Pracht und Schönheit zu bezeugen.

 

Wenn dem so ist,

dann will ich mich dem Schicksal beugen,

und lass willig mich bezaubern, von deiner Anmut,

deinem Stolz,

 

und wenn die wunderbare Schöpfung

ein Geschenk mir machen wollte, nur dieses Eine,

dann sollen starke schwarze Flügel aus meinem Rücken brechen,

um dir zu folgen,

in die kühle Luft des Himmels,

und dein Erdenheim aus Holz.