Die Milch wird teurer

Aufatmen im Stall?
| 31. Juli 2007 
Das könnte man meinen, wenn man das Gros der Stimmen dazu hört – aus Politik, Bauernorganisationen und selbst der Verbraucherzentrale: Die Landwirte sollen einen gerechten Preis für Ihr Produkt bekommen. Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen. Aber warum landet dann nur ein Bruchteil der Erhöhung auf den Höfen?

Die ehemalige grüne Landwirtschaftministerin aus Nordrhein-Westfalen, Bärbel Höhn, findet deutliche Worte dafür, wenn sie sagt, dass die Preiserhöhungen im großen und ganzen beim Handel (und sicher auch bei den zu Global Playern mutierenden Molkerein) bleiben – obwohl hier gar keine höheren Kosten entstanden sind!  Und konkret rechnet die Landfrauenvorsitzende aus dem Vulkaneifelkreis, Doris Clemens, vor, wie es in der Lndwirtschaft regelmäßig aussieht: Wenn ein Kilo Brot 2,20 Euro kostet, bekommt der Landwirt für das Getreide nur 9 Cent.
Es ist eine traurige Tatsache und Ausfluss eines angeblich marktwirtschaftlich organisierten Welthandels: Unseren Landwirten auf dem heimischen Markt wird mit Billigerzeugnissen Konkurrenz gemacht, die zu Bedingungen produziert werden, die hier aus sozialen und Umweltgründen mit Recht unzulässig sind. Bauern in Ländern der sogenannten Dritten Welt können mit den Preisen der auch aus Deutschland exportierten Waren nicht mithalten, weil hohe Subventionen aus Steuergeldern diese Dumpingpreise erst möglich machen. Und so wundert es heute nicht mehr, dass die früher als regionaler Erzeuger gepriesene Hochwaldmolkerei 95 % ihrer Waren in alle Welt schickt. Im Gegenteil, man ist sogar noch stolz darauf. Diese Situation ist absolut absurd. Sie produziert eine unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten unvertretbare Landnutzung einerseits und millionenfach unnötige Transportkilometer andererseits. Als gäbe es den Klimawandel nicht.
Was tun? Wie immer, wenn die Politik versagt, sind die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen gegenzusteuern. Schließlich ist der momentane Preis nur der „geile“ Augenblicksvorteil. In 20 Jahren auf diesem Planeten immer noch einigermaßen gut leben zu können – das ist allemal für jeden einzelnen tausendmal mehr Wert, vor allem für unsere Kinder und Enkel.

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