Erfolgreiche Blockaden der Castortransportstrecke

  
| 17. November 2006 
Atom 
3 Presseerklärungen zum Castor-Transport dieser Woche

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13. November 2006, 6.15 Uhr
* Protest verzögert Castor und bringt Diskussion in Schwung
* AtomkraftgegnerInnen empört über Umweltminister

Der zehnte Castortransport hat das Zwischenlager in Gorleben erreicht. Tausende von Menschen stellten sich diesem strahlenden Zug in vielfältigen Aktionen entgegen.

Rund 1.000 Menschen nahmen an der großen Sitzblockade von X-tausendmal quer und Widersetzen teil. "Trotz des großen Polizeiaufgebotes haben wir entschlossen und gewaltfrei die Straße am Verladekran erreicht und 17 Stunden lang blockiert", sagt Jens Magerl von der wendländischen Inititaive Widersetzen. Obwohl die letzten Castorbehälter bereits um 0.40 Uhr von der Schiene auf die Schwerkraftlastwagen umgeladen waren, konnte der Transport erst nach der Räumung gegen halb 5 am Montag morgen losrollen.

Magerl: "Unsere Aktionen haben mit dazu beigetragen, dass das Thema Atompolitik wieder ganz oben auf der Tagesordnung steht. Der Druck von der Straße ist weiterhin groß. Und er muss es sein, denn die Bundesregierung weicht lieber den fragwürdigen Atomkonsens auf, als wirklich am Ausstieg zu arbeiten."

Ausgerechnet am Sonntag verkündete Umweltminister Gabriel, dass er bereit sei, unverzüglich die Erkundung des Salzstocks in Gorleben wieder aufzunehmen, um die Endlagerfrage voranzubringen. Gabriel liegt aber falsch, wenn er meint, der Ärger der Menschen im Wendland richte sich nur dagegen, dass Gorleben als Endlager quasi vorbestimmt sei.

Jochen Stay, Sprecher der Initiative X-tausendmal quer: "Umweltminister Gabriel versucht sich da an einer unglaublichen Verdrehung der Tatsachen. Es kann kein sicheres Endlager geben – und dass Gorleben zu den besonders ungeeigneten Orten zählt, ist bereits offensichtlich. Gabriels Vorstoß zu dieser Zeit ist jedoch noch schlimmer. Die Energiekonzerne haben den sogenannten Atomkonsens dreist aufgekündigt und wollen mit Schrottreaktoren große Gewinne machen. Wenn ihnen Gabriel jetzt noch ein "Endlager" dazu schenkt, haben wir den atompolitischen Super-GAU."

Kontakt:
Jochen Stay, X-tausenmal quer, 0170 / 93 58 75 9
Jens Magerl, Widersetzen, 0175 / 62 76 08 1

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Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg
Erneut erfolgreiche Blockade der Castortransportstrecke

Wie die Bäuerliche Notgemeinschaft erfuhr, gelang es einigen ihrer Mitglieder durch tatkräftige Unterstützung der wendländischen Bevölkerung, den Einsatzkräften ein Schnippchen zu schlagen und ihnen ihre Castor-Suppe kräftig zu versalzen. Trotz massiven Polizeieinsatzes mit Repressionen und Bespitzelung, weiträumiger Versammlungsverbote und Einschüchterungsversuchen bereits im Vorfeld des Castortransportes, konnte erneut die Straßentransportstrecke auf der Süd - Route, in Splietau und Klein Gusborn sowie auf der Nord - Route in Langendorf blockiert werden.

In diesem Jahr griffen die Blockierer nicht auf ihre in den vorangegangenen Jahren bereits bewährte Methode, sich an einen mit Beton präparierten Traktor anzuketten, zurück. Um ein schnelleres Gelingen der Aktion zu ermöglichen und die Einsatzkräfte auszutricksen, wurde eine fahrbare Betonpyramide entwickelt. An ihr haben sich seit 19.22 Uhr in der Ortschaft Klein Gusborn 4 Personen, und seit 21 Uhr in Langendorf mit  4 Personen der Bäuerlichen Notgemeinschaft und des Gorleben Widerstandes angekettet. Danach kam dann noch eine Aktion in Splietau mit 4 Personen hinzu.

Die wendländischen Pyramiden wurden mit den Symbolen der vier Stromkonzerne  EON, Vattenfall, RWE und EnBW versehen, um die Aufmerksamkeit auf die Verantwortlichen der lebensverachtenden Atomtechnik zu lenken. Für die Blockierer stehen die Pyramiden von Gizeh als Zeichen für die Vergänglichkeit aller von Menschenhand geschaffenen Werke, sie bröckeln bereits nach nur 4000 Jahren. Aber Stromkonzerne und Politiker maßen sich an, die Sicherheit von hochradioaktiven Atommüll über 100.000 Jahre zu garantieren.

Nach dem Beinahe-Gau in Forsmark/Schweden, der geplanten Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und der Aufhebung des Moratoriums für den Salzstock Gorleben  gilt für die bäuerlichen Aktivisten um so mehr: Wir handeln in Notwehr! Sie fordern: Schluss mit der Entsorgungslüge und der Produktion von weiteren Atommüll.

Mit ihrer spektakulären Protestaktionen wollen die Gorlebengegner den Menschen Mut machen und sie zum Mitmachen bei Demonstrationen anregen. Seit fast 30 Jahren beteiligen sie sich an dem Protest gegen die Atomanlagen in Gorleben. Bereits die dritte Widerstandsgeneration nimmt an den Aktionen gegen den Castortransport teil. Der Widerstand im Wendland kennt keine Nachwuchsprobleme und das lässt auf einiges hoffen für
kommende Transporte...

Wendland, im November 2006
Kontakt: Nadin Timme   0175 7661498     Christin Timme   0170 1223699

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PRESSEERKLÄRUNG
Redaktion Aktuelles/Umwelt 12. November 2006 12:16 Uhr

CASTOR-Proteste in Südwestdeutschland erfolgreich

AtomkraftgegnerInnen halten CASTOR-Zug bei Stutensee 25 Minuten und bei Oftersheim eine Stunde lang auf. Zahlreiche Proteste in ganz Südwestdeutschland. Auch in Frankreich Protestaktionen.

Bei Stutensee legte eine Gruppe von Anti-Atom-AktivistInnen ein Transparent und Gegenstände auf die CASTOR-Transportstrecke und erzwang so einen Zwischenstopp von etwa 25 Minuten.

In der Nähe von Oftersheim (bei Schwetzingen) haben 10 Anti-Atom-AktivistInnen ab 20:20 Uhr den CASTOR-Transport eine Stunde lang aufgehalten. Inzwischen befinden sich die AktivistInnen wieder auf freiem Fuß, nachdem sie in Gewahrsam genommen worden waren.

In Darmstadt-Kranichstein musste der Zug ab 22:38 Uhr für 25 Minuten eine weitere ungeplante Zwangspause einlegen.

Am Bahnhof Wörth protestierten am Nachmittag etwa 100 Menschen mit einer Mahnwache gegen den Transport. "Wir freuen uns besonders über die große Zahl von Jugendlichen, die in diesem Jahr am Protest teilgenommen haben", so eine SprecherIn der südwestdeutschen anti-atom-Initiativen.

In der Nacht zuvor, gegen 1:25 Uhr, hatten Anti-Atom-AktivistInnen bereits in Frankreich den CASTOR-Transport in der Nähe von Serqueux mit auf den Schienen platzierten Strohpuppen und Transparenten für etwa 100 Minuten aufgehalten. Vermutlich wegen des gestrigen Feiertags in Frankreich (Ende des 1. Weltkriegs) und der damit verbundenen hohen Anzahl an Sonderzügen hatte sich die Ankunft des Zuges in Deutschland weiter verzögert. Im pfälzischen  Wörth war der Zug mit einer Verspätung von etwa zweieinhalb Stunden um 17:15 Uhr angekommen.

Der Transport hat zur Stunde das Wendland erreicht und befindet sich in der Nähe von Dahlenburg.

Weitere Informationen zum CASTOR-Transport gibt es bei der Pressestelle der südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen oder auf den Internetseiten
http://www.castor-stoppen.de, http://neckarwestheim.antiatom.net oder http://www.castor.de.

Mit freundlichen Grüßen Eric Tschöp
Pressestelle der südwestdeutschen Anti-Atom-Initiativen
Handy: 0160 - 992 181 52 Fax: 012 12 - 579 235 490
e-mail: presse-sw(at)gmx.de http://www.castor-stoppen.de

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