Gentechnik - nein danke!

Für Neuigkeiten ist man nie zu alt
| 12. Januar 2006 
Die Gemeinde Neunkirchen im Hunsrück erfreut sich einer sehr aktiven Seniorengruppe. Und die wollte genauer wissen, was die Gentechnik uns "serviert". Deshalb lud Ortsbürgermeister Richard Pestemer die Landesvorsitzende des BUND, Heide Weidemann aus Erden, zu einem Informationsnachmittag ein.
Heide Weidemann

Sie wollten es genau wissen, die Mitglieder des Seniorenkreises in Neunkirchen im Hunsrück. Und so lud ihr Ortsbürgermeister Richard Pestemer die Landesvorsitzende des BUND, Heide Weidemann aus Erden zu einem Informationsnachmittag ein.

Dass es im Tier- und Pflanzenreich auf unserer Erden ständig Veränderungen gab und gibt, weiß man noch aus der Schule: Spontane Mutationen, die sich im "Glücksfall" erfolgreich durchsetzen, bewusste Züchtung von Pflanzen, die ertragreicher oder gehaltvoller sind und in neuerer Zeit auch agressivere Methoden der sogenannten Biotechnologie, die mit Methoden arbeitet wie z. B. Beschießen mit radioaktiver Strahlung. Letzteres ist durchaus nicht unumstritten. Allerdings haben all diese Methoden eins gemeinsam: Sie sind mehr oder weniger starke Wirkungen, die den jeweiligen Organismus aus sich heraus zu einer Änderung bringt und - sie überschreiten keine Artgrenzen. Dem hat die Natur eh insoweit einen Riegel vorgeschoben, als sie solche Züchtungsergebnisse zur Unfruchbarkeit verdammt.

Die Gentechnik in der Landwirtschaft beschreitet völlig neue Wege: Die gewünschte Eigenschaft wird in die Pflanze "hineinoperiert", indem man ihr das Gen eines völlig anderen Organismus einpflanzt. So wird Mais mit dem Gen des Bazillus Thuringiensis widerstansfähig gegen den Maiszünsler, weil der den Genuss des nun für ihn "giftigen" Maises nicht überlebt. Sehr beliebt ist auch, Kulturpflanzen resistent zu machen gegen Unkrautvernichtungsmittel. So kann der Landwirt "unbesorgt" spritzen und das Herbizid samt Saatgut erhält er vom Agrokonzern gleich im Doppelpack.

Was sich anhört wie Heile Welt, zeigt allerdings da, wo es seit 10 Jahren praktiziert wird, ein ganz anderes Bild: In Kanada, Argentinien und den USA hat man erfahren müssen, dass die den Pflanzen mit viel Aufwand und hohen Kosten verpassten Eigenschaften nicht von Dauer sind: Die Schädlinge gewöhnen sich an das ihnen zugedachte Gift, die Wildpflanzen an das Herbizid, entwickeln sich gar zu Superunkräutern, denen kaum noch beizukommen ist. Verlierer sind die Landwirte, die nicht mehr in der Lage sind, die ständig steigenden Kosten für neues Saatgut und neue und mehr Pflanzenschutzmittel zu finanzieren. Sie müssen hierfür Kredite aufnehmen, die sie mit dem Erlös der Ernte nicht abzugelten in der Lage sind. Ein Teufelskreis, der die Farmer reihenweise in den Ruin treibt.

"Und was ist mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln? Sind die nicht schädlich?" Das wollten die Teilnehmer gerne genauer wissen. "Tierversuche von den wenigen unabhängigen Institutionen oder Wissenschaftlern sprechen eine deutlich Sprache", erläuterten Heide Weidemann und Richard Pestemer. Negative Ergebnisse erfahre nur, wer intensiv nach Informationen sucht. "Fakt ist, dass Versuche mit Ratten, denen man gentechnisch veränderte Kartoffeln und Mais verfüttert hatte, dies gar nicht gut vertragen haben. Ein schottischer Wissenschaftler, der mit seinen Ergebnissen an die Öffentlichkeit ging, bezahlte das mit dem Verlust seiner Stellung. Keine vertrauenserweckende Situation.

"Kann man denn wenigstens sicher vermeiden, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu kaufen?" Die Frage sei leider auch nicht befriedidend zu beantworten: "Die Kennzeichnungspflicht betrifft nur pflanzliche Lebensmittel. Bei Lebensmitteln tierischer Herkunft - Fleisch, Milch, Milchprodukte - muss nicht erkennbar sein, ob den Tieren gentechnisch verändertes Futter verabreicht wurde - und Gensoja ist schon sehr weit verbreitet. "Wer gentechnikfreie Ware kaufen will, soll sich an der ihm bekannten Herkunft orientieren. Und der Bio-Handel ist verpflichtet , in jeder Beziehung gentechnikfrei zu produzieren. Lebensmittel aus biologischem Anbau, am besten aus der Region, sind der beste Garant für Gentechnikfreiheit."

Fazit des aufschlussreichen und interessanten Nachmittags: Wenn die Verbraucher ihre Macht in die Waagschale werfen - und mehr als 70 % sind nach wie vor gegen Gentechnik auf dem Acker - müssten die Landwirte endlich darauf eingehen statt den erwiesenermaßen falschen Verlockungen der Agro-Gentechnik zu erliegen. Zu denken geben müsste ihnen ein Unternehmen wie McDonald, das konsequent auf Gentechnikfreiheit setzt.

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