Kein Nachtflug auf den Hahn!

| 19. April 2004 
Die erste Infoveranstaltung der Arbeitsgruppe (AG) Mosel der BI gegen den Nachtflughafen Hahn am 15. April in Bernkastel-Kues war ein voller Erfolg. AG-Sprecher Hans-Werner Jung (Lieser) konnte sich über einen voll besetzten Saal freuen und durch einen Abend mit spannenden, aufrüttelnden, ja brisanten Beiträgen führen.

Mit wie viel Herzblut die AG die Initiative ergreift, zeigten bereits die einführenden Worte von Christiane Schenk aus Wehlen. Sie machte kein Hehl daraus, wie enttäuscht sie über die überwiegende Mehrheit der Verbandsgemeinderatsmitglieder war, als diese mit nur 2 Gegenstimmen (der Grünen) dem Planfeststellungsverfahren zugestimmt hatten. Man habe ihr sogar wörtlich zur Auskunft gegeben, dass von Nachtflug keine Rede sei. "Wie viel Unfähigkeit muss dahinter stecken, wenn unsere Kommunalpolitiker sich offenbar nicht im Stande sehen, unsere Heimat vor Nachtflügen, dem damit verbundenen Lärm und den Schadstoffemissionen zu beschützen!" Ihr jedenfalls sei beim Studium der Planungsunterlagen klar geworden, dass nach Verlängerung der Startbahn und der Aufnahme des interkontinentalen Schwerfrachtflugs auch die Mosel massiv betroffen wäre: In den 5 Stunden von 1 Uhr bis 6 Uhr sind über dem Gebiet der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues Frachtflüge im Abstand von jeweils etwa 10 Minuten vorgesehen, und zwar innerhalb von Flugrouten, die unter anderem genau über der Stadt verlaufen sollen. "Wir wollen den Menschen, die hier leben, und den Touristen eine idyllische Landschaft und die Nachtruhe bewahren".

Die "Macher" der Veranstaltung

Olaf Simon aus Altlay, langjähriges Mitglied der Bürgerinitiative gegen den Nachtflug Hahn, machte den Anwesenden Mut: "Verlangen Sie von Ihren gewählten Vertretern, dass sie sich auf Ihre Seite stellen und ihre Beschlüsse ändern!". Deutlich wies er darauf hin, mit wie viel ungenauen, unvollständigen Angaben oder gar mit Verschweigen Bevölkerung und politisch Verantwortliche über die wahren Ausmaße des beabsichtigten Flughafenausbaus getäuscht werden. "Dagegen muss man sich einfach wehren".

Was Schwerfrachtflug in gerade mal 1.000 Metern Höhe (mehr schaffen die vollbeladenen Maschinen bis zur Mosel nicht) für ein Gefühl ist, machte eine Audio-Video-Demonstration, die Jürgen Rösner in der Nähe des Frankfurter Flughafens an Stellen mit ähnlichen Bedingungen wie Bernkastel-Kues aufgenommen hatte, regelrecht erlebbar. Da "fielen den Zuhörern fast die Ohren ab" und man konnte sich in der körperlich vorstellen, was Lärmwerte wie 76 oder 81 dBA bedeuten. Klaus Reitz, Sprecher der BI aus Lötzbeuren, führte das überzeugend vor. Er machte auch klar, dass es mit dem Flugverkehr allein nicht getan sei, denn die Fracht entstehe ja nicht im Hunsrück, sondern hauptsächlich im Raum Frankfurt oder gar weit weg in Belgien: "Die muss mit LKWs ja erst mal auf den Hahn transportiert werden, und diesen zusätzlichen Verkehr müssten wir auch noch aushalten - und den dafür angeblich notwendigen Straßenbau."

Blick in den gut gefüllten Saal

"Man muss sich doch sehr wundern, dass das Kurzentrum Bernkastel-Kues nichts unternimmt", war aus dem Publikum zu hören. Dieser Einwand machte überdeutlich, worauf auch die Vortragenden schon hingewiesen hatten: Das Arbeitsplatzargument - wenn es denn bei den hohen Zuschüssen aus Steuergeldern überhaupt eins ist - bricht in sich zusammen, wenn man die Arbeitsplätze gegenrechnet, die hauptsächlich im Tourismus verloren gehen. Oder in einem Kurbetrieb, der von den Gästen und sicher auch den einweisenden Versicherungsträgern gemieden wird, weil unfreiwillige "Nachtwachen" den Heilerfolg konterkarieren.

Veranstalter und Besucher waren sich jedenfalls einig: Die Menschen an der Mosel und in Eifel und Hunsrück brauchen den Hahn-Ausbau nicht, im Gegenteil. Und für Gegenwehr ist es noch lange nicht zu spät, denn noch ist die Genehmigung für dieses Machwerk nicht erteilt, und selbst für diesen Fall formieren sich bereits potentielle Kläger.

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