Mineralölsteuer für Biosprit

Aus für das „Energiestandbein“ der Bauern?
|  9. Dezember 2005 
Die schwarz-rote Bundesregierung hat in ihre Koalitionsvereinbarung aufgenommen, Biodiesel ab 2007 wie Mineralöl zu besteuern, wenn es – wie heute schon bis zu 5 % üblich – dem mineralischen Diesel beigemischt wird. Auch der 100%-Biodiesel, der an Tankstellen verkauft wird, soll mit Mineralölsteuer belegt werden, allerdings in geringerem Umfang. Die Landwirtschaftorganisationen sind empört, weil Ihnen das immer wieder angediente „zweite Standbein“ Energie aus Biomasse gekappt wird.
Heide Weidemann

Beim genauen Hinschauen fragt man sich aber: Warum die Aufregung? Eigentlich könnten die Landwirte froh über diese Regelung sein. Sie müssen ihr Rapsöl ja nicht zu Biodiesel umestern*) lassen. Das geht nur im großen Stil, und so ist es kein Wunder, dass einer der größten Agro-Konzerne, die ADM (Archer Daniels Midland Company) heute schon der führende Produzent von Biodiesel ist. Biodiesel gelangt so in die Zapfsäulen von immer mehr Tankstellen – aber nicht nur in die mit der Aufschrift Biodiesel. Auch der normale Diesel enthält heute bis zu 5 % Biodiesel – für die Mineralölkonzerne eine gute Sache, so lassen sich bei steigenden Ölpreisen Kosten sparen. Dass in solchen Vermarktungsstrukturen ein oft unerträglicher Druck auf die Erzeugerpreise ausgeübt wird, ist sattsam bekannt. Ob Milch-, Getreide- oder Weinpreise: Die Zahl der Unternehmen, die aufgeben müssen, spricht Bände.

Warum also nicht einen anderen Weg gehen? Schon seit vielen Jahren gibt es einen sich langsam, aber stetig entwickelnden Markt für reines Pflanzenöl als Kraftstoff. Der bleibt von einer Mineralölbesteuerung ausgenommen, schon weil das gar nicht zu „handeln“ wäre (Was macht man mit Speiseöl aus dem Supermarkt?). Reines Pflanzenöl im Motor? Das ist überhaupt nicht weit hergeholt, wenn man sich daran erinnert, dass Rudolf Diesel den nach ihm benannten Motor ursprünglich für Pflanzenöl entwickelt hat, den Motor aber dann an den ebenfalls nach ihm benannten Kraftstoff auf Erdölbasis als billigeren Ersatz anpasste. Den „Weg zurück“ gehen heute eine Reihe von Erfindern, Ingenieuren und Technikern, allen voran die Firma Elsbeth, die lange Jahre komplette Pflanzenölmotoren anbot. Heute ist sie ein bedeutender Anbieter von Umrüstsätzen, mit denen man auch in herkömmlichen Dieselmotoren Pflanzenöl verwenden kann.

Die steigenden Erdölpreise haben dieser aus ökologischen Gründen schon immer sinnvollen Technologie auch eine ökonomische Attraktivität verliehen. Und da sollten Landwirte hellhörig werden. Pflanzenöl können sie nämlich ohne Hilfe Dritter selbst herstellen und anbieten. Mit einer Ölmühle und einer Filteranlage lässt sich ohne Großtechnik und Raffinerie ein Kraftstoff herstellen, der mindestens so energiereich ist, sauberer verbrennt, bei umweltgerechtem Anbau CO2-neutral ist und ..... viel preiswerter als herkömmlicher Diesel. Es wäre alle Mühe wert, eine regionale Struktur aufzubauen, die Landwirten, Anbietern von Umrüstsätzen, Werkstätten und Tankstellen ein noch besseres „Energiestandbein“ verschafft, als die bisher noch zumeist geübte Praxis. Besser deshalb, weil das in der Region erwirtschaftete und vermarktete Produkt die regionale Wertschöpfung bedient. Geld und Arbeit bleiben in der Region und können nachhaltig zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage beitragen. Erste Überlegungen, eine Energiegenossenschaft zu gründen, um diese Interessen zu bündeln und die Idee einer regionalen Energiewirtschaft umzusetzen, sind in vollem Gange.

*) Die Fettsäuren des Pflanzenöls - einem Ester - sind an Glyzerin, einen dreiwertiger Alkohol, gebunden. In einem Katalyseverfahren wird Glyzerin durch den einwertigen Alkohol Methanol ersetzt, was den so gewonnenen Kraftstoff dem Diesel vergleichbar flüssiger macht. Der Energiegehalt ist etwas geringer, der aggressivere Alkoholbestandteil greift vor allem aus Gummi bestehende Kraftstoffleitungen und Dichtungen an.

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