Gastbeitrag von Karl Jaspers zur "Parteienoligarchie"

| 12. Mai 2013 
In einem jenseitigen Gastbeitrag hat der verstorbene Existenzialphiloph Karl Jaspers einen ewig-gültig anmutenden Kommentar zum Ausgang der überraschenden Bürgermeisterwahlen- 21.April 2013 - in der kleinen RLP-Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf(Kreis Bernkastel-Wittlich) der Redaktion vonTachelesRegional zukommen lassen, den wir hier abdrucken lassen.

Parteienherrschaft und Demokratie des Volkes

Demokratie heißt Selbsterziehung und Information des Volkes. Es lernt nachzudenken. Es weiß, was geschieht. Es urteilt. Die Demokratie befördert ständig den Prozeß der Aufklärung.

Parteienoligarchie dagegen heißt: Verachtung des Volkes. Sie neigt dazu, dem Volke Informatonen vorzuenthalten. Man will es lieber dumm sein lassen. Das Volk braucht auch die Ziele, die die Oligarchie jeweils sich setzt, wenn sie überhaupt welche hat, nicht zu kennen. Man kann ihm stattdessen erregende Phrasen, allgemeine Redensarten, pompöse Moralforderungen und dergleichen vorsetzen. Es befindet sich ständig in der Passivität seiner Gewohnheiten, seiner Emotionen, seiner ungeprüften Zufallsmeinungen.

Die gemeinsame Schamlosigkeit der Parteienoligarchie fordert vielmehr Respekt, zumal die jeweils führenden Amtspersonen, die Kanzler, Minister, Präsidenten (Landräte, VG-Bürgermeister Ortsbürgermeister...) Wir alle, denken sie, sind doch Vertreter des Volkes, wir können doch nicht schamlos sein. Wir sind durch die Wahl des Volkes geheiligt. Wer uns beleidigt, beleidigt das Volk. Kraft unserer Ämter haben wir die Macht und den Glanz, der uns zukommt."

Nachtrag der TachelesRegional-Redaktion: Dagegen hilft nur das Grundgesetz, wo es in Artikel 21 (Parteien), Abs. 1, Satz 1 heißt: "Die Parteien wirken bei der Willensbildung des Volkes mit"

 

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