Ladies, das ist Blues, Blues, nichts als Blues.....

Meena & Erja im Ducsaal, Freudenburg
|  5. Oktober 2011 
Ducsaal, Freudenburg, wo bitte? Ach bei Saarburg, Richtung Thionville/Cattenom. Was, dort gibt´s ne Bluessession, von 2 Ladies, da bin ich dabei!

Für die Bluesgeschwister Hannah, Karl und Mattes

Sonntag, 2.Oktober, Start in Nenkrich, immer dem rotglühenden Sonnenuntergang entgegen auf der Hunsrückhöhenstraße, ab nach Freudenburg, ab zum Ducsaal, noch nie dort eingekehrt. Karl hat mich gelockt mit dem Versprechen, dass es da Blues vom Feinsten gäbe, im Ducsaal von Freudenberg. Karl kann ich trauen, denn er ist Musiker, durch und durch. Und Blues, für mich ein Zauberwort. Elektrisierend. Nutzt nicht es es zu umschreiben, einzukreisen, zu zerreden.

Blues der Ritt über die Hunsrückhöhenstrasse, rot umflutet vom Sonnenfeuerball, an Hermeskeil, an Kell, an Zerf vorbei, auf einmal: pittoreske Wolkenbilder hängen todesschwanger über Cattenonom. Dort in der Nähe also ist Freudenburg, dort das El Dorado der Bluesscene des Dreiländerecks.

Ducsaal, nein Storyville, ja damals vor 40 Jahren in Kölle, der Rockkeller am Ring mit den Topgruppen aus ganz Europa, ist sie stehen geblieben die Zeit ? Rock und Blues hält alte Männer jung, bluesjung.

Ducsaal: die Kirchenempore, dort wo Gottesdienst zelebriert wird, eingerahmt von frommen Kirchenliedern.

Andächtig konzentriere ich mich auf die angesagte Bluessession, präsentiert von Erja und Meena auf Ihrer Double Trouble Tour 2011.

Meena, kräftige, derbe Stimme, kräftig-vollschlank legt mit Volldampf los. Keine Schnörkel, Richt raus Frontfrau. Ja, das ist Blues, nicht konventionell, sondern knackig-frisch aufgepeppt mit Rock- und Popelementen, ohne verkitschte Bluesattitüden. Eingestreut atemberaubende E-Gittaren-Solis von Chris Fillmore. Den starr ich an, als wäre der junge Elvis wieder auferstanden in seinem Outfit, Bassgitarre und Schlagzeug sichern den Backgrund unmerklich fast dezent ab.

Erja, zweite Runde: zierlich, zerbrechlich fast, die schwarze Fee aus dem kalten Norden Finnlands, könnte fast meinen, dass die Gitarre sie niederdrückt. Von wegen: Nicht nur glasklarer Gesang, nein Gitarrensoli im kreativen Wettstreit mit Davide Floreno. Ein aufreizender Spannungsbogen und mittendrin diese Stimme von Erja, weit auflachend-singend aufgerissen der Mund mit blitzenden Zähnen zur flunkernden Gitarre, alles Seiltanz, es mutet alles wie Kitsch an, ist aber Blues, und beim Blues ist alles erlaubt, wenn es Blues ist, nicht nur Show, sondern Gefühl: Blue Note. Diese Lady riskiert alles, setzt alles auf eine Karte und trotzt ihren Mitakteuren das Letzte ab.

Und die Steigerung dieser Performance: Das sind die Bluesladies im Doppelpack, mit den Solo-Gitarristen im Doppelpack: Und dann geht voll die Post ab: Ein fingerbrechendes E-Gitarrensolo löst das andere ab, Erja und Meena schaukeln sich gesanglich mit der derben, mit der glasklaren Stimme immer höher, immer höher, immer höher in den Blueshimmel.....

Nein, der Saal ist nicht rappelvoll, doch das spielt keine Rolle, denn die meist leicht ergrauten, voll ergrauten Semester sind erfüllt vom Blues: mehr geht. Und wenn Du alleine im Ducsaal wärst.

Auf dem Heimweg dann, auf dem Hintersitz von Karls Wagen, erschlagen fast von dieser Doppelpackladung dieser Powerfrauen, dennoch die Gewissheit, egal, wo Du lebst, sei es mitten in der angeblich tiefsten Provinz, egal wo, der Blues ruft.

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