RISIKOGEBURT EINER NEUEN DEMOKRATIE

Das Versagen der "demokratischen" Lehrmeister
|  6. Februar 2011 
Noch unterstützt der Westen den Despoten Mubarak. Israels Regierung spricht sich für ökonomische und nicht für politische Reformen in Ägypten aus. Die Lehrmeister der Demokratie zucken offensichtlich zusammen vor den revolutionär-demokratischen Bewegungen in den arabischen Ländern. Lothar Gothe, jahrzehntelander Basisaktivist und Öko-Bauer und regelmäßig als Mitarbeiter mit fundierten Beiträgen in TachelesRegional präsent, ruft angesichts dieser zynischen Doppelzüngigkeit der demokratischen Lehrmeister für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat zur Verteidigung der neugeborenen Demokratie in den arabischen Ländern aus. Und er fordert eine Wiedergeburt der Demokratie im Westem, in Deutschland, nach dem Vorbild der arabischen Volksbewegungen.

Plötzlich und unerwartet haben das tunesische uns das ägyptische Volk neue Demokratien geboren: Blitzsaubere unschuldige Kinder.

Keine der erwachsenen alten Demokratien im industrialisierten Westen hat das für möglich gehalten, keine hat die Schwangerschaft bemerkt. Als die Mütter niederkamen und die ersten Geburtswehen auf der Straße sichtbar wurden, gerieten ihre Herren und Beherrscher in Panik. Die neuen Demokratien würden ihre Mütter von deren Herrschaft und der Ausbeutung befreien und ihnen eine Leben in Würde und Freiheit möglich machen.

Die erwachsenen Demokratien und ihre Helfershelfer in Tunesien und Ägypten sahen ihre Macht- und Geschäftsinteressen bedroht, falls die Kinder groß werden und sich nicht kaufen oder manipulieren lassen. Deshalb haben sie sofort bei den ersten Wehen gewalttätige Abtreibungen in die Wege geleitet. Als aber die Mütter sich zur Wehr setzten und trotz der üblen Verhältnisse gesunde Demokratiebabies zur Welt brachten, versuchten sie wie seinerzeit Herodes den Kindesmord.

Die alten Demokratien und ihre Helfershelfer, so zeigte sich jetzt, waren gar keine Demokratien, sie taten nur so. Sie belogen und betrogen das Volk, teilten die Güter nicht gerecht, klauten und führten ein verschwenderisches sittenloses Leben. Die Mütter aber konnten auch die Mordversuche abwehren. Die tunesische jagte schließlich ihre mörderischen Beherrscher und Ausbeuter aus dem Land.

Die ägyptische Mutter muß sich aber weiter gegen brutale Übergriffe gegen das Neugeborene zur Wehr setzen , die von bezahlten Schlägern und Killern der Herrscher ausgeführt werden.

Die erwachsenen Demokratien schlagen eine neue Strategie ein, nachdem sich eine gewisse Schockstarre langsam löst: Nun setzen sie sich von ihren ägyptischen Helfern und Lakaien ab und überlassen diese ihrem Schicksal und versichern nun, sie würden sich um das neugeborene Demokratiekind kümmern. Sie erklären die alleinerziehenden Mütter – Väter sind nicht bekannt- für erziehungsunfähig und überfordert. Mit Geld und ausgebildeten Kinderpflegern und Erziehungswissenschaftlern wollen sie nun das neugeborene unter ihre Fittiche nehmen. Sie versuchen also quasi, die Mutter zu entmündigen und sie führen sich wie ein Jugendamt auf, das mißratende Kinder in Obhut nehmen muß.

Doch die arabischen Mütter haben nicht vergessen, daß diese nun als Helfer auftretenden erwachsenen Demokratien eben noch bei den Mordversuchen weggeschaut, daß sie vor kurzem noch mit den Killern und Dieben getafelt und gefeiert hatten. Sie sehen auch, daß die erwachsenen Demokratien keineswegs die ehrbaren Demokratielehrer sind, sonder nur schlecht verkleidete alte Lustgreise, von Habgier und Verschwendungssucht gezeichnet, egomanisch und bar jeden menschlichen Mitgefühls.

Völlig zu Recht befürchten die arabischen Mütter also, daß ihre neugeborenen noch völlig unverdorbenen Demokratiekinder in den moralischen Sumpf der alten Ausbeuterdemokratien gezogen werden sollen; daß sie lernen sollen, wie man die Müttervölker unter dem Banner der Demokratie mit versteckten und raffinierten Methoden betrügt, wie Reiche und Mächtige hinter den Kulissen die sogenannte repräsentative Demokratie zur Lobbykratie degenerieren lassen, wie Bürgerrechte durch Fernsehverblödung ausgehöhlt werden und Pressefreiheit an kapitalistische Magnaten und betuchte Werbekunden verhökert werden kann.

Zu solchen Scheindemokratien sollen nun auch die unschuldigen arabischen Kinder herangezogen werden. Wenn das nämlich nicht gelingt, und die arabischen Demokratiemütter ihre Kinder zu freien und sozialen und gerechten Erwachsenen heranwachsen lassen, dann könnten die Mütter der alten Demokratien ja auch auf den Geschmack kommen. Deshalb müssen wir nun alle unsere demokratischen Daumen drücken und den Alleinerziehenden beistehen, indem wir ihnen so gut wir können alle störenden Einmischer und Einschüchterer und falschen Fuffziger vom Leibe halten. Und uns ein Beispiel nehmen in der Hoffnung, dass unsere alternden Volksmütter noch gebärfähig sind.

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