Johannes Paul II : Einer der letzten großen Reaktionäre !

| 17. April 2005 
Es ist über ihn schon alles gesagt worden in den Medien: Über seinen Anti-Kommunismus und seinen Antikapitalismus... Über seinen Dialog mit den anderen Religionen, über das Schuldeingeständnis zum christlichen Antisemitismus... Über sein entschiedenes Nein zum Irakkrieg... Aber auch über seinen patriarchalischen Marienkult, seine Frauenverachtung, seine Anti-Kondom-Pro-Aids-Politik, seine Schwulenablehnung... Über seine Bekämpfung der lateinamerikanischen Befreiungstheologie... Über sein autoritäres innerkirchliches Regime, dem Hans Küng u.a. zum Opfer fielen... Über seine enge Zusammenarbeit mit der erzkonservativen Kadertruppe des Opus-Dei...
Richard Pestemer

Er wollte zurück zu den alten katholisch-klerikalen Heilsgewissheiten. Hierin musste er letztendlich scheitern. Auch wenn bei den imposanten römischen Trauerfeiern immer wieder gefordert wurde "Sancto subito! Macht ihn schnell zum Heiligen!"

Ein anderer - inzwischen entthronter - Heiliger, St. Karl Marx, prophezeite seinerzeit im Kommunistischen Manifest: "Die Bourgeoisie-(Kapitalistenklasse) , wo sie zur Herrschaft gekommen,...hat...an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt."

Wir erinnern, wie der Papst auf Kuba mit Fidel Castro gemeinsam die soziale Gerechtigkeit beschwor: zwei alte Doktrinäre, die sich vergeblich gegen den endgültigen triumphalen Siegeszug des entfesselten globalen Kapitalismus stemmten. Und es war der Papst, der die "Schutzmauern" in Europa mithalf zu zertrümmern!

Carl Amery, christlichsozialer Öko-Katholik, hat in seinem Essay "Global Exit - Die Kirchen und der totale Markt" versucht, den Kirchen eine neue Rolle angesichts der Vorherrschaft des totalen Marktes aufzuzeigen.

"Sie (die Kirchen) haben globalisiert, längst ehe es das Wort gab. Als Missionare, Feldkapläne, Chefideologen haben sie den Boden bereitet für die Flotten und Musketen, dann für die Trader und Prospektoren und Walzmüller. Sie prägten eine Welt, in der sie nicht mehr benötigt werden - höchstens für die Anfertigung von moralischen Alibis.

Nun liegt es an ihnen, ob sie die proklamierte Alternativlosigkeit des Totalen Marktes, dieses neuen Imperiums, schweigend hinnehmen - oder ob sie den Widerstand dagegen zu ihrer zentralen Pflicht machen.

Es liegt an ihnen, ob sie zusehen wollen, wie die Seelsorge des Totalen Marktes, die Seelengrundlagen für die Botschaft zerfrisst.

Es liegt an ihnen, ob sie zusehen wollen, wie die Praxis des Totalen Marktes die Lebensgrundlagen der Menschen zerstört."

Könnte es sein, dass es diese Fragen und die von der Institution Kirche darauf bisher schmerzlich vermissten Antworten sind, die Millionen Menschen in Rom zur päpstlichen Trauerfeier auf die Straße trieben? Weil dieser einerseits "grandiose Reaktionär" mit seiner höchst widersprüchlichen Hirtenrolle andererseits starr und unbeirrt eben diese Fragen, ähnlich wie sein Bruder im Geiste, Fidel Castro, aufwarf?

Lesermeinungen:

    Keine Kommentare
Für diesen Eintrag werden keine Kommentare mehr angenommen