Der Wellness-Masterplan in Bernkastel-Kues vorgestellt

"Wir sagen die Wahrheit- auch wenn es schmerzt?"
| 22. Februar 2010 
Clemens Beckmann vom Trierischen Volksfreund meint, dass die Botschaft des Projektes "Vino Sanitas = Gesundheit durch Wein" angekommen sei. Ja, das ist sie tatsächlich: Die Touristen in der Moselregion gleich ob mit oder ohne prallen Geldbeutel wollen gesunden Wein trinken, der auf gesunden Böden gewachsen ist. Sie wollen wirklich Gesundheit durch Wein. Frage ist: Was bedeutet eigentlich Gesundheit durch Wein und was sind seine Voraussetzungen?

In Vino Sanitas:

- Der Wein-Wellnes-Masterplan in Bernkastel -Kues -


Oder : „Wir sagen die Wahrheit, auch wenn es wehtut
?
 

Die ca. 150 Interessierten, die am Samstag, den 20. Februar in die Güterhalle in Bernkastel-Kues zur Auftaktveranstaltung des Projektes „Gesundheit durch Wein“, pilgerten, die wussten alle Bescheid. Angesichts der globalen Finanzkrise, der zerrütteten Staatsfinanzen, des überschuldeten Landkreises Bernkastel-Wittlich, der Weinpreise, die am Boden liegen, muss es einen Ausweg hier vor Ort geben! Und diesem Ausweg versprach dwif-Consulting aufzuzeigen.

Wie vorab Clemens Beckmann in der Mittwochsausgabe vom 17.Februar berichtete „gehörte die Stadt Bernkastel – Kues zu fünf rheinland-pfälzischen Kurorten und Heilbädern, die Mitte 2009 aus einem Ideenwettbewerb als Sieger hervorgegangen sind. Die Stadt hatte sich mit dem Konzept „Vino Vanitas“ (Gesundheit durch Wein) beworben. Der Lohn: Derzeit erstellt ein Berliner (tatsächlich ein Münchener!) - Fachbüro (dwif-Consulting) einen so genannten touristischen Masterplan. Die Kosten dafür (etwa 100 000 € ) bezuschusst das Land mit 80 Prozent.“

Und die Experten von dwif-Consulting gaben vor Bescheid zu wissen, wie touristische Wachstumsmärkte, die noch brachliegen, profitabel beackert werden können. Die vitalen und gut betuchten Alten, gestresst vom erbarmungslosen Alltag des Turbokapitalismus, vom Fit-Sein-Müssen, die sehnen sich nach Entschleunigung, nach Anhalten der Zeit, nach Muße und Wellness-pur. Sie sind begierig nach „Anti-Aging“, nach „Beauty“, „Wellness“ und am liebsten noch „Medical-Wellness.“

Im letzteren Bereich prognostiziert Dr. Manfred Zeiner von dwif ein Wachstumspotential vom 111 Prozent. Den anwesenden Besucher, Winzer, Vermarkter von Weinprodukten, Hoteliers. Touristiker und Kommunalpolitiker wurde klar: Hier ist eine Wachstumsbeschleunigung auch ohne ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz möglich! Und der Massentourismus auf den bislang die Region setzte, braucht ein wertsteigerndes Leitbild.

Aber die vitalen Alten, nicht selten Profiteure der globalen Krise, die sind eine verwöhnte Klientel. Deswegen ist für sie das Beste gerade gut genug. Und man muss ihnen höchstwertige perfekte Produkte in einem einwandfreien Umfeld bieten, beschwor Dr. Zeiner die anwesenden Gäste, die er gewinnen wollte für eine aktive Teilnahme am Masterplan „In Vino Sanitas: Im Wein steckt Gesundheit“. Und dies soll als höchstwertige Dienstleitung und kompetente Beratung mit bestausgebildetem Personal vermarktet werden.

Nur wenn die Kunden zufrieden sind und wiederkommen wollen, dann sind dies die eigentlich Werbeträger. Nur wenn die angebotenen Produkte ehrlich das halten, was sie versprechen, dann wird aus dem Masterplan „In Vino Sanitas„ ein Erfolg!. Kurzum: Die Produkte müssen stimmen!

Eingeblendet wurde vom Laptop auf die Leinwand in der Güterhalle ein verführerischer in sanften Farben weichgezeichneter Frauenrücken, wo eine heilende Hand mit Weintrauben eine „Medical-Wellness-Anti-Aging-Wellness-Massage“ in Szene setzte. Das also ist es: Der gehobene Medical-Wellness-Tourismus zur Wiederherstellung des gestressten EGO!

Die Produktpalette rund um die „Medical-Wellness-Trauben“ sind dabei äußerst vielfältig: Bio-Trauben-Kernöl, Bio-Trauben-Marmelade, Bio-Weinessig... . Ebenso die Dienstleistungen: Sich gesund trinken mit maßvollen Weingenuß zu ausgewogener gesunder Slow-Food-Ernährung, oder aber zwecks Entstressung und Entschleunigung Yoga-Übungen und Meditationen in hochsterniger Hotellerie.

Vernetzt wird alles unter dem Motto „In Vino Sanitas.“ Angelehnt ist dies offensichtlich an den Altlateinerspruch des „In Vino Veritas: Im Wein ist die Wahrheit“. Doch wir wissen, dass die oftmals verborgene Wahrheit durch geselligen Genuss des Weines – es muss aber schon edler gesunder Wein sein ! - herausgelockt werden muss. Dies wissen offensichtlich auch die Profis von dwif-Consulting. Auf ihrer Website heiß es deshalb auch ohne jegliche Schnörkel: „Wir sagen die Wahrheit, auch wenn es schmerzt “ Denn : Wir bieten keine Patentrezepte, sondern liefern individuelle Antworten auf ihre Fragen?“ (Imageflyer von dwif nicht mehr online [02.09.2012]).

Voraussetzung ist dabei, dass der Auftraggeber – hier die Stadt Bernkastel Kues – tatsächlich reinen, ehrlichen und gesunden Wein einschenkt. Bevor nunmehr in 3 Arbeitsgruppen – Akteure aus der Winzerschaft, dem Weinproduktbereich und den Touristikern – sich in die aktuelle Umsetzung des Masterplans „In Vino Sanitas“ in Form von Arbeitsgruppen einbinden lassen.

Im Wein kann ja nur vermarktbare Gesundheit stecken, wenn er auf gesunden Böden wächst. Das klingt trivial-banal-einleuchtend. Sollte man meinen?

Ein anwesender Winzer erläuterte deshalb zum Ende der mehrstündigen Veranstaltung zum Masterplan „In Vino Sanitas“ dem Hauptakteur von dwif-Consulting, Dr. Manfred Zeiner, dass bei Bodenuntersuchungen im Rahmen der Flurbereinigung von Weingrundstücken in Bernkastel durch das Landesamt für Geologie und Bergbau nachweislich dokumentiert nicht unerhebliche Bodenbelastungen durch Schwermetalle festgestellt worden sind.

Der Bernkasteler Stadtbürgermeister , Wolfgang Port, versuchte vergeblich abzuwiegeln mit „Ach das tut doch hier nichts zur Sache!“ Dr. Zeiner, eingedenk des selbstverpflichtenden Leitbildes von dwif-Consulting“ Wir sagen die Wahrheit, auch wenn es schmerzt!“ hörte indessen angestrengt zu und registrierte, dass er sich umfassend über die tatsächliche Bodenqualität der Bernkasteler Weinberge informieren könne, wenn er wolle.

Es ist davon auszugehen, dass er das tun wird. Wenn der Masterplan „In Vino Sanitas“ - Der Trierische Volksfreund schlagzeilte sogar „Wohlbefinden aus dem Wingert“ -, glaubwürdig bleiben soll.

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