Angst essen Seele auf

|  7. November 2004 
Der eine oder die andere der älteren unter den TR-Leserinnen wird sich vielleicht an diesen Faßbinder-Film erinnern. Angst essen Seele auf, Angst vor dem Unbekannten, dem Fremden, der ungewissen Zukunft allemal. Zu Recht spricht daher Friedemann Diederichs in seinem Kommentar im Trierischen Volksfreund vom 4.November vom "Sieg der Angst", den Bush erringen konnte. Und dies trotz Irakkrieg, trotz des vergeblichen Kampfes gegen sein fundamentalistisches Gegenstück Osama Bin Laden. Oder sollten wir besser sagen gerade deswegen?
Richard Pestemer

Wie auch immer, der demokratische Gegenkandidat Kerry konnte den US-BürgerInnen ihre Ängste vor dem internationalen Terrorismus nicht nehmen. Er bot keine glaubwürdige Alternative zum Hardliner Bush. Gleichwohl Kerry die Steuergeschenke an die Superreichen und Reichen kritisierte, gleichwohl er den Krieg gegen den Terrorismus geschickter zu führen versprach und sogar das Kyoto-Klimaschutzprotokoll zu unterschreiben in Aussicht stellte. Kerry, verheiratet mit der Ketchup-Heintz-Milliadärin, wirkte nicht glaubwürdig genug. Auch er stellte nicht unmissverständlich klar, dass es der globalisierte energiefressende "american way of life" ist, welcher ursächlich die weltweiten Verteilungskämpfe um die letzten nicht erneuerbaren Energieressourcen für die letzten Wachstumsorgien buchstäblich anheizt. Er hatte sich nicht von Anfang an gegen den aggressiven Irak-Angriffskrieg gestellt, sondern erst als das Desaster des "Befreiungskrieges" offenkundig wurde. So musste es kommen wie es kommen musste: wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Den Menschen hier vor Ort, wo wir etwas bewirken können, glaubwürdig die Angst nehmen vor den großen globalen Verwerfungen, genau dies war das Thema des 4. Regionalen Klimagipfels in Reinsfeld (29- 31. Oktober). Weitestgehend unumstritten unter den TeilnehmehrInnen war, dass es möglich ist in wenigen Jahrzehnten bei radikalen Energieeinsparungen uns vollkommen mit erneuerbaren Energien und Nahrungsmitteln aus der Region selber zu versorgen. Darüber hinaus können auch aus der mit Wasser, Sonne und Biomasse gesegneten Energieträger gesegneten Region die Städte versorgt werden.

Allerdings wird dies unmöglich gelingen, wenn wir unseren "Lebensstandard" ausschließlich an der Menge des jährlichen Verbrauchs messen, wobei ständig angenommen wird, dass es jemanden, der mehr verbraucht "besser geht" als jemanden, der weniger verbraucht. Nein es geht darum uns hinzubewegen zu einem Maß an menschlicher Zufriedenheit, die es gestattet ohne großen Druck und ohne große Spannung zu leben. Nicht ständig Angst haben vor der ungewissen Zukunft, Angst haben vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor dem drohenden Klimawandel, vor Terrorismus und Krieg.

Es liegt an uns, ob wir, so wie es E.F.Schumacher in seinem bahnbrechenden Werk "small is beautiful" darstellte, die Grundweisheit buddhistischer Wirtschaftslehre beherzigen zu wollen: Einfachheit und Gewaltlosigkeit. Tue nichts Böses, versuche Gutes zu tun! Das ist das genaue Gegenteil zur überall gepredigten globalen Vernichtungskonkurrenz, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, die überall Krieg, Terorismus und die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen forciert. Nein, wir können uns gemeinsam die Angst vor der Zukunft nehmen, und die menschenverachtenden Fundamentalisten wie Bush und Osama Bin Laden entmachten, indem wir keine Macht für uns beanspruchen.

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