Offener Brief

| 14. September 2005 
Offener Brief an die Direktkandidatin für das BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Bundestagswahl im Wahlkreis Mosel/Rhein-Hunsrück, Frau Jutta Blatzheim Roegler

Sehr geehrte Frau Blatzheim-Roegler,

freundlicherweise luden Sie mich zu einem Treffen mit den Frauen Claudia Roth, Ulrike Höfken und  Ise Thomas und zu einer Mosel-Schiffstour ein. Dafür danke ich Ihnen. Sie wollen mit mir über die Arbeit des „Dörrwies e.V. - Sozialpolitisches Projekt“ für die Region sprechen. Dieser Ansatz ist sehr löblich. Dennoch werde ich nicht kommen und zwar aus mehreren Gründen, die ich hier gern auch für andere Menschen zur Information erläutern möchte:

Erstens habe ich nur ein sehr eingeschränktes Interesse an Wahlveranstaltungen und besonders auch solchen dieser Art. Ernsthafte Gespräche können auch bei „alternativen Kaffefahrten“ kaum geführt werden. Sollte Ihnen tatsächlich an einem  inhaltlichen und kritischen Gespräch gelegen sein, so würde ich ein solches gern zu einem späteren Zeitpunkt führen.

Zweitens sehe ich keinen Grund mit einer maßgeblichen Regierungsvertreterin zu reden, die beteiligt ist beim Sozialraub an einem großen Teil der Bevölkerung, die derzeit mit hilft das fragwürdige Projekt der elektronischen Gesundheitskarte einzuführen ohne mit den Bürgern und Bürgerinnen eine der Sache entsprechende Aufklärung zu betreiben, die als GRÜNE-Frontfrau beteiligt war und ist, der Gentechnik u.a. durch das Regierungs-Projekt „Lebenswissenschaften“ von 2001 die nötige Akzeptanz in diesem Lande verschaffte. Früher hatte sie einmal getönt: „Gentechnik, nein danke!“  Sie war beteiligt an der Befürwortung des Jugoslawienkrieges und ist bis heute durch die Unterstützung der rot/grün geführten Regierung mitverantwortlich, daß der Irak heute da steht, wo er steht: in Chaos und Elend.

Der heraufziehende Iran-Konflikt wird auch jetzt schon wieder in der gleichen stümperhaften Weise, wie zuvor beim Irak-Konflikt von der deutschen Regierung angegangen.  Eine Politik, die Optionen von vornherein verneint, kann nur zu Differenzen zwischen den transatlantischen Partnern führen und schwächt die Demokratien weltweit. Das Außenministerium führt derzeit mit maßgeblicher Beteiligung der GRÜNEN (hier z.B. vertreten durch Kerstin Müller)Verhandlungen zur Durchsetzung eines im Sudan umstrittenen deutschen Eisenbahnprojektes, welches zur Spaltung des Landes führen könnte. So etwas wird auch Sezession genannt und greift indirekt in die Hoheitsrechte des Sudan ein. Der kleine Koalitionspartner hat  gegen solch unverantwortliches Verhalten nicht nur keine Einwände, sondern steuert wesentlich dazu bei.

Warum, Frau Blatzheim-Roegler, sollte ich mit solchen Personen über mein Projekt diskutieren? Glauben Sie wirklich, die könnten Ihre imperialistischen Euro-Ziele ändern?

Drittens kann ich auch bei der Gesundheitspolitik der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN keinen fortschrittlichen Weg in meinem Sinne erkennen. Ich möchte, daß das Abstraktum Staat, solange es nicht durch intelligentere Gesellschaftskonstrukte abgelöst ist, für seine Kranken und Behinderten ohne Altersbegrenzung in vollem Umfang aufzukommen hat. Bei der Gesundheitspolitik („Krankheitspolitik“ wäre wohl angebrachter)der jetzigen, sicher auch einer zukünftigen konservativen Regierung, wird billigend in Kauf genommen, daß ganz bestimmte Menschen nicht mehr richtig und bald gar nicht mehr versorgt werden. Meine Klientel erfährt schon heute, daß es finanziell enger wird und so wird die auch von der rheinland-pfälzischen Regierung propagierte Selbstbestimmung z.B. behinderter Menschen letzten Endes zur Farce. Für ein annähernd selbstbestimmtes Leben braucht der Mensch eben auch genügend Geld.

Werte Frau Blatzheim-Roegler, grüßen sie die GRÜNEN Frauen von mir und sagen Sie Ihnen, daß ich ihren Kurs des rheinischen Kapitalismus und ihre Einmischung in die Hoheitsrechte vieler Staaten nicht mitmachen will, wie auch viele meiner Freunde, u.a. ehemalige auch sehr bekannte MitgründerInnen der ehemaligen GRÜNEN Partei.

Eine schöne Schifffahrt wünscht trotzalledem,

Gerhard Kern, Morbach, den 19. August 2005

doerrwies.de  +   gerhardkern.de

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