Mit Neuen Energien für den Frieden

Zum 3. Regionalen Klimagipfel in Bernkastel-Kues
| 27. November 2003 
Ein wahrhaft vieldeutiges Motto haben sich die Organisatoren des 3. Regionalen Klimagipfels, der in diesem Jahr vom 28. bis 30.11.2003 im Hotel Burg Landshut in Bernkastel-Kues stattfindet, gegeben: Mit neuen Energien für den Frieden!

Erstmals hat sich ein größerer Kreis von regionalen Gruppen unterschiedlichster Couleur zusammengetan: Friedensgruppen aus Trier und Wittlich, Globalisierungsgegner, Naturschützer und andere, unabhängige Bürgerbewegungen aus dem Eifel-Mosel-Hunsrück-Raum. Tun sie sich zusammen, um in der Gemeinsamkeit neue Energien schöpfen, an einem Strang zu ziehen, mehr Wahrnehmung und Gewicht in der Öffentlichkeit zu erreichen? Oder haben sie endlich erkannt, dass das Streben nach Frieden (im Kleinen wie im Grossen), der Schutz der Natur, das Aufbrechen globaler Zwänge und Abhängigkeiten, der Aufbau überschaubarer, regionaler Strukturen in dieser gehetzten und bedrohten Welt letztlich derselben Motivation entspringt: den eigenen, inneren Frieden mit sich und seiner Umgebung zu finden?

Aber es geht nicht nur um den inneren Frieden, es geht auch um den ganz praktischen Frieden, sei es im Streit um den Ausbau des Hahn auf dem Hunsrück, den Hochmoselübergang oder das Erdöl im Nahen Osten, um nur einige Beispiele zu nennen. Kein innerer Friede ohne äußerer Friede! Es zahlt sich nicht nur aus, es ist geradezu notwendig, die Argumentationsstränge aller auf diesem Feld operierenden Gruppen zusammen zu führen, um gemeinsam zu schlüssigen Ergebnissen und praktischen Handlungsstrategien für eine friedlichere Welt zu finden. Es ist darüber hinaus eine einzigartige Chance, in unserer Desinformationsgesellschaft, in dem einem die Pro's und Contra's nur so um die Ohren fliegen, wieder eine glaubwürdige Sprache und damit Gehör in der Öffentlichkeit zu finden. Man mag hoffen, dass der Zusammenschluss der Veranstalter des 3. regionalen Klimagipfels ein erster Schritt in diese Richtung ist.

Natürlich hat auch der Begriff "Energie" im Motto des Klimagipfels eine doppelte Bedeutung: Auf der einen Seite der Energieschub oder innere Antrieb, der sich ergibt, wenn man gemeinsam etwas anpackt. Darüber wurde oben bereits gesprochen. Auf der anderen Seite die neuen Energieformen, alternative oder regenerative Energien genannt. Sie sind unsere einzige Chance, ein dauerhaft funktionierendes, "nachhaltiges" Wirtschaftssystem aufzubauen und den durch fossile und atomare Energie hervorgerufenen Umweltschäden und Klimaveränderungen zu entgehen. Denn sie gehen sehr viel schonender mit unserer Umwelt um und, mindestens ebenso entscheidend, sie sind zumindest im menschlichen Maßstab gesehen, unerschöpflich.

Allerdings ist das Problem nicht einfach dadurch zu lösen, dass man die "klassischen" Energien einfach durch "regenerative" Energien ersetzt. Grosses Augenmerk muss darauf gelegt werden, die inzwischen wie selbstverständlich hingenommene Energieverschwendung in den Industrieländern drastisch zu reduzieren. Es sind umweltverträgliche, energieschonende und sozialverträgliche Produktions- und Wirtschaftsstrukturen zu entwickeln, die weltweit, mit den jeweils notwendigen regionalen Charakteristiken, dauerhaft funktionieren.

Bis dahin ist es noch ein weiter, mühsamer Weg, für den alle Beteiligten viel Energie aufwenden müssen. Der 3. regionale Klimagipfel ist hoffentlich ein weiterer Schritt in diese Richtung, mit einem Motto, das die gesamte Bandbreite von der individuellen, ureigenen Sehnsucht bis zum weltumspannenden Programm umfasst.

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