Anonymus und die basisdemokratischen Folgen

Von vaterlandslosen Gesellen und aufrechten Demokraten
| 17. Februar 2007 
Ja, gibt´s das denn? Der CDU - dominierte Malborner Ortsgemeinderat und seine Unterstützer/innen fangen an - nach wie vielen Jahrezehnten eigentlich -Ihre Poltik in der Öffentlichkeit zu begründen.

Der Auslöser der urdemokratischen Debatte: Die MALBORNER MORITAT

So ihr Leut ich hab was zu sagen

und wenn ihrs richtig lest es sind nur Klagen

Eigentlich so könnt man sagen

ist hier das Wohnen gut zu ertragen

Nur schöner wär es in der Tat

ohne diese Bürgermeisterin und diesen Gemeinderat

Denn diese hier Genannten

treiben manche Bürger in den Ruin und machen sich darüber keine Gedanken

Die zwei Straßen, die sollen gebaut

da wird manch Bürger übers Ohr gehaut

Im Neubaugebiet da gib fein Acht

da sagen sich Fuchs und Has gute Nacht

Bewohnt ist es nicht

aber dafür brennt jede Menge Licht

Oh je es wird noch doller

die Gemeindekasse wurde davon auch nicht voller

Das Quellwasser des Dorfes wurde verschenkt

Ja sagt mal haben die gepennt

Sie verschenken es an eine eine Sprudelfabrik

bei denen macht es klick, klick, klick

Der kleine Bürger und das ist wahr

soll dafür zahlen - meint der Rat - na klar

Ob alte oder junge Leut

die werden hier kräftig aus gebeult

Die Bürger sollen zahlen und das kräftig

das meint die Bürgermeisterin und der Rat und das mächig

obwohl leer die Gemeindekasse ist

wird umgebaut der Kindergarten und das ist gewiss

Gegen ein neus Dach kann keiner was sagen

denn das ist nötig - ohne zu klagen

Doch ihr Leut wie im TV zu lesen

kostet der Spaß 400.000 Euro Spesen

Nun frag ich euch Ihr Leut

müssen Schlafraum und Wickelraum in dies Gebäud

Bei uns einfachen Leut war es immer so

die Kids, die noch nicht gehen zum Klo

die legt man auf ne Wickelunterlage oder so

Die Unterlage passt auf jeden Tisch

da braucht man doch dieses Wickelzimmer nisch

Aber das ihr Leut ist noch nicht alles

jetzt muss noch ein Industriegebiet er, die ham doch en Knalles

Mt 500 000 Euro ist die Gemeinde dabei

ei, ei, ei

Interessenten gibt es dafür

noch nicht viele aber dafür heißt es auch Hasenwiese

Und es geht weiter mt den Miesen

aber auch ohne diese Hasenwiese

Nun ihr Leut seht es doch mal reell

ging es uns nicht besser und das schnell

Der Rat und die Bürgermeisterin würden gehen

Und das auf nimmer Wiedersehn

Da wird sich noch manchmal im Ton vergriffen, indem Kritiker als "vaterlandslose Gesellen" abgestempelt werden, die doch am besten abmarschieren sollten in die "weite Welt".

Das mit den "vaterlandslosen Gesellen", das stammt noch aus dem 1.Weltkrieg, wo diejenigen Sozialdemokraten, die das gegenseitige Abschlachten für die historisch überholten Dynastien nicht mitmachen wollten, kurzerhand als "vaterlandslose Gesellen" diffamiert wuden. Der Kaiser beschwor das Volk mit der Lügenphrase: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!" Und die Sozialdemokraten willigten damals - wie heute auch?- ein in den Burgfrieden und mobilisierten für das große Abschlachten.

In Malborn geht es nicht ganz so heftig zu, aber manchmal mutet da Kritik an der Dorfchefin schon an wie Majestätsbeleidigung. Ungeachtet all des verbalen Kanonendonners wird jedoch allmählich auch der breiten Öffentlichkeit klar, welche Dorfpolitik in Malborn noch mehrheitlich vertreten wird.

Auf der Einweihungsfeier des rundumerneuerten Büdlicher Gemeindehauses stellte Festredner Mertes, Chef der ADD, indes zum wiederholten Male klar, dass es keinen Sinne mehr mache mit Neubaugebieten auf die Ansiedlung von Gewerben zu hoffen, sondern vielmehr komme es darauf an mit intelligenten Lösungen der Ortsentkernung entgegenzuwirken. Abgesehen von der weiteren ökologisch bedenklichen Flächenversiegelung und der überdimensionerten Wasserversorgung und Abwasserentsorgung macht die Ausweisung von Neubau - und Gewerbegebieten angesichts der zunehmenden Überalterung  des ländlichen Raumes zunehmend keinen Sinn. Unverdrossen setzen aber die CDU und auch die SPD sowie im Schlepptau die F.D.P. in der VG Thalfang am Erbeskopf immer noch auf Wachstumsrezepte aus den frühen Nachkriegsjahren, anstatt auf die Durchmischung der Dörfer mit Gewerbeansiedlungen im Ortskern und mit Rückbau der überdimensionierten Kanalisation.

Diese Diskussion hat also jetzt trotz macher schiefen Töne auch Malborn erreicht. Und noch eins, angesichts der Überschuldung der VG und auch der Malborner OG sowie der angespannten Haushaltslage der Anwohner der Träf und Buhs, gilt es hier die sparsamsten "Strassenausbauvarianten" zum Zuge kommen zu lassen. Sich da mit Ratsmehrheiten und einer stets zu Diensten stehenden VG-Verwaltung in Thalfang über berechtigte Anliegen der Anwohner hinwegzusetzen, das führt berechtigterweise zu Unmut. Eine Politik des "Ihr habt uns gewählt, wir entscheiden, Ihr zahlt !", wird auf Dauer nicht weiterhelfen, sondern auf mittlere und längere Sicht scheitern. Wenn dies allmählich zur allgemeinen Erkenntnis heranreifen sollte, dann hätte Anonymus mit seinen derben Versen ungeahnte urdemokratische Folgen ausgelöst.

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