Vor uns die “Sünd”flut!

| 26. Januar 2007 
“Kyrill”, der Herr der Stürme, hat uns recht milde noch im Vergleich zu den früheren Orkanen kürzlich wieder einmal eingebläut, dass wir das Schlimmste noch vor uns haben, wenn wir jetzt nicht entschieden den Andrang der Lemminge auf den Abgrund abbremsen und eine grundsätzliche andere Richtung einschlagen.

GREENPEACE will deswegen - in allen Medien wurde darüber berichtet - einen Masterplan zur Reduzierung der Klimaerwärmung zusammen dem Dachverband der Europäischen Erneuerbaren-Energien- Industrie (Erec) vorlegen. Da wird zum wievielten Male eigentlich dann Altbekanntes eingefordert: Energieeinsparen (Hausdämmen), Energieeffizienz steigern (technische Optimierung) ... Ein Click ins Internet zeigt uns dann wie wir mit diesbezüglichen Informationen überfüttert werden.

In der wdr-Talkschow-Sendung externer Link in neuem Fenster folgt“hartaberfair = Warmer Winter, kaputtes Klima” (17.Januar 2007) bringt es der Moderator Frank Blasberg indes knallhart auf den Punkt mit der “Frage”: “Handeln wir eigentlich erst, wenn mit Abschmelzen der Gletscher auch unser Wohlstand schmilzt ?”

Ja, genau so ist! Vorher wird es kein Umdenken geben. Vorher werden alle, die öffentlich und mit praktischen Taten eine Umkehr einfordern wie Prediger in der Wüste erscheinen.

Warum aber ist dies so? Die Antwort liefert meiner Meinung nach Lester Thurow in seinem Buch “Die Zukunft des Kapitalismus” (Deutsche Übersetzung 1996, Metropolitan Verlag Düsseldorf München). Auf den Seiten 444 und 445 stellt er unbestechlich und messerscharf fest : “Im Kapitalismus gibt es keine Analyse der Zukunft.” (S.445) Denn “das Problem mit den Zeithorizonten zeigt sich am deutlichsten im Bereich des globalen Umweltschutzes. ...Was soll eine kapitalistische Gesellschaft langfristig gegen das Problem der Erderwärmung oder gegen das wachsende Ozonloch tun? ...Bei einer Entscheidung nach kapitalistischen Aspekten ist die Antwort auf die Frage, was wir heute tun sollen, um solche Probleme zu verhindern, eindeutig: Nichts! ....Es spielt keine Rolle, wie groß die negativen Auswirkungen in fünfzig oder hundert Jahren sein werden, denn der heutige Kapitalwert liegt bei Null. ...Als eingeschworene Kapitalisten werden also auch die Menschen in der Zukunft dafür votieren, nichts zu tun. Irgendwann wird es auf dieser Erde eine Menschengeneration geben, die in einer veränderten Umwelt nicht mehr überleben kann. Dann aber wird es für sie zu spät sein. Sie können ihren Untergang nicht mehr verhindern. Als Einzelgeneration gesehen, trifft jede für sich die nach kapitalistischen Aspekten richtige Entscheidung. In Ihrer Gesamtheit gesehen führen diese Entscheidungen jedoch in den kollektiven Selbstmord.”

Angesichts dieser Aussichten warnte in der besagten wdr-Talkschow “Warmer Winter, kaputtes Klima“ der stellvertretende Chefredakteur des seriösen Wirtschaftsblattes “Handelsblatt, Roland Tichy” ungerührt vor einer hysterischen Klimawandel-Diskussion und mahnte statt dessen zu mehr Gelassenheit. Der gute Mann hat vollkommen Recht. Gelassenheit ist angesagt: Alle, die aufgrund der überwältigenden Faktenlage zum menschenmitverursachten dramatischen Klimawandel wissen, was auch Roland Tichy nicht leugnet (!), dass es nicht heißt nach uns sondern vor uns die “Sünd”-flut. Es ist das schlichte Gesetz der positiven Rückkopplung, in anderen Kulturen heißt es Karma-Vergeltung, oder sollten wir schlicht und ergreifend von Ursache und Wirkung sprechen, noch schlichter: Ohne Feuer kein Rauch!

Wir können, vor allem die Älteren unter uns, nur darauf hinwirken, dass mit den Alpengletschern auch der Wohlstand hinwegschmelzen wird. Nach dem Scheitern des realen Sozialismus und des Siegeszuges des endgültig globalisierten Kapitalismus, den Angie Merkel samt SPD, GRÜNE, FDP  und Linkspartei ökologisch und sozial gerecht gestalten will, sägen die allermeisten der politischen Verantwortlichen eifrig auf dem morschen parlamentarischen Ast auf dem sie alle sitzen. Es ist ein Aberwitz, der sich fortsetzt bis hin in die “Niederungen der Kommunalpolitik”, zu glauben, dass formell-demokratische Mehrheiten dem Kapitalismus und seinem ehernen Gesetzen der rücksichtslosen Profitmaximierung oder besser noch das Naturgesetz der positiven Rückkopplung außer Kraft setzen könnten. Mit diesen Perspektiven ist die heutige Jugend, die Zukunft der Gesellschaft schlichtweg überfordert. Gut möglich, dass eine neue Jugendrevolte uns ins Haus steht, wo den Altvorderen vorgeworfen wird :“Ihr habt nach dem Prinzip verbrannte Erde gehandelt!“

Regionale Beispiele gibt es zuhauf: Wintersport in tiefen und mittleren Lagen ade. Dennoch wird verbissen am einmal eingeschlagenen Irrweg festgehalten und gutes Steuergeld dafür verpulvert. Hier sei die Frage erlaubt, wer daran verdient? Die Produzenten von Schneekanonen?!
Flughafen HAHN: Hochsubventionierte Umwelt- und Klimazerstörung: Schafft angeblich viele Arbeitsplätze, obwohl jeder weiß, dass in der fächendeckenden Energiewende mehr Arbeitsplätze entstehen könnten. Hier sei die Frage erlaubt, wer daran verdient? Ryanair! Und dann gibt es noch die Schizophrenen, die das Sowohl als Auch vertreten: Ja zur Morbacher Energielandschaft, Ja zum Hahn! Es gibt noch zahlreiche Beispiele mehr, B 50 neu z.B. ...

Was tun? Das fragte sich schon Lenin in seiner berühmten Schrift am Vorabend der “Großen Sozialistischen Oktoberrevolution?”

Nichts? Das nicht, aber gelassen bleiben, und weiter das tun, was dahin führt mit eben der vorherrschenden kapitalistischen Selbstmord - Logik der Ausbeutung von Mensch und Natur zwecks kurzfristiger Selbstbereicherung zu brechen. Ob der Zug der Lemminge aufzuhalten sein wird, bleibt fraglich. Aber gibt es eine Alternative zur heroischen Gelassenheit und der Gewissheit des “Vor uns die Sündflut”? Wir müssen zu warten lernen auf die unerbittliche Tatsache, dass wir tatsächlich mit dem kollektiven Selbstmord konfrontiert werden.

Dennoch sei an das tröstende Dichterwort von  Friedrich Hölderlin erinnert, das da lautet :”Wo aber Gefahr ist, da wächst das Rettende auch!”

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