Die Deutschen müssen das Töten lernen. Wie Afghanistan zum Ernstfall wird.

Titelschlagzeile “Der Spiegel“ Nr.47, 20.11.06
| 17. Dezember 2006 
Der Kommentator wurde dieses Jahr 60 Jahre alt. Er ist ein Nachkriegskind. In den 50iger Jahren tollte er mit seinen Spielkameraden in der Kölner Trümmerlandschaft. Manch einer von ihnen stürzte ab von hohen freiragenden Mauerruinen und verletzte sich schwer. Spätfolgen des Krieges.
Richard Pestemer

Nur bruchstückhaft erinnert er sich an die markigen Worte von Franz-Josef Strauß von 1949 im Wahlkampf zum ersten Bundestag: ”Eher fällt mir der rechte Arm ab als das je wieder ein Deutscher zum Kriegführen eine Waffe in die Hand nimmt.” Später, in den 70iger Jahren, wurde sein ältester Bruder eingezogen zum Wehrdienst in der Bundeswehr, die noch zu Adenauers Regierungszeiten mit großzügiger amerikanischer Hilfe und jeder Menge altgedienter Wehrmachts-Haudegen aus den Boden gestampft wurde. Drüben, im kommunistischen Ostdeutschland, wurde gleichgerüstet. Die SPD kämpfte entschieden gegen die Wiederaufrüstung - ebenso wie die 1956 verbotene KPD - bis sie dann schließlich ihren Burgfrieden mit der “demokratischen Bundeswehr“ machte.

Alles schemenhaft erlebt, dann aber Schritt für Schritt hineingezogen in die rebellische Jugendbewegung, die die Eltern nervte mit Fragen: “Was habt ihr damals gemacht im Hitlerreich? Habt ihr auch getötet, gemordet, geschwiegen, verschwiegen, weggeschaut...?

Im Namen der westlichen Freiheit wurde in der Nachkriegszeit alles gerechtfertigt, um den überall drohenden Kommunismus in Schach zu halten. Das Schlüsselerlebnis: Der Vietnamkrieg! Krieg, tausendfacher Mord, Brandstiftung, Vergewaltigungen - für Freiheit und Demokratie? Iran: Die Errichtung der Schah-Despotie durch den CIA. Chile: Das Wegputschen der demokratisch gewählten Allenderegierung. Stellvertreterkrieg der Supermächte USA und UdSSR im Kongo, in Angola... Niederschlagen des DDR-Volksaufstandes in Ostdeutschland, blutige Unterdrückung des Ungarnaufstandes, Überfall auf die demokratisch-sozialistische Dubceck-Regierung in der damaligen CSSR, die Kubakrise, wo die Menschheit haarscharf am Weltatomkrieg vorbeischrammte... Wie oft drohte eigentlich der kalte Krieg in den heißen Krieg umzuschlagen?

Die blockübergreifende Friedensbewegung mit der Botschaft “Frieden schaffen ohne Waffen”, aus denen heraus die ÖkoPaxe (ÖkologiePazifismus) und - leider als Partei - die GRÜNEN entstanden. Es waren weder Reagan noch Gorbatschow, weder Kohl noch Bush, die den Kalten Krieg beendeten. Das ist immer wieder die vor-herrschende Sichtweise, nämlich das GROSSE MÄNNER Geschichte machen. Nein, es ist das „dumme Volk“, wenn es sich endlich seiner Verdummung durch die Herrschenden entledigt. Es war wesentlich der Wille von Abermillionen Menschen, die einseitig und blockunabhängig sagten: “ Friede, Pace, Heiwa, Peace, No more Hirsoshima, Make Love, not War!” Mehr war da nicht, aber gewaltfrei und dennoch gewaltig.

Das Ende des Kalten Krieges, die friedliche Widervereinigung Deutschlands und Europas, wurde aber nicht der Aufbruch in eine Zeit des weltumspannenden Friedens. Nein, der heiße Krieg war ja jahrzehntelang nur eingefroren gewesen. Alle erstarrten Konflikte brachen wieder auf, alte nationalistische und ethnisch-rassistische Rechnungen, niedergehalten vom Tito-Regime in Jugoslawien, brachen wieder auf. Und diesmal sollten die Deutschen als souverän gewordene Mittelmacht endlich wieder volle Kriegsverantwortung übernehmen dürfen. Die ideologische Verneblung und Verdummung leisten bravourös SPD-Scharping und GRÜNEN-Fischer. “Nie wieder Ausschwitz!” Mit diesem Motto bombten sie mit auf Belgrad!

Spiegel Titelbild, Ausgabe 47/2006

Töten lernen. Das geht schrittweise. Erst mal am Simulator, am Computer, dann aus der Luft, dann von schwer gepanzerten Schiffen aus. Der Soldat im Kampfjet, auf der Fregatte, der sieht es nicht, das Elend. Dann aber, verkleidet als „sich selbst schützender bewaffneter Sozialarbeiter“, ist man dabei, die demokratisch-westliche Frauenemanzipation gegen die radikalislamistischen Taliban zu schützen. Das Ganze nennt sich “nationbuildung = Nationenbildung” mittels eines “robusten Mandats”. George Orwell hätte seine reinste Freunde an diesem Zwiesprech : Krieg ist Frieden!

Und dann ist es soweit. Es hat einen Kameraden erwischt, durch eine Selbstmordattentäter. Jetzt wird zurückgeschossen, denn unsre Freiheit, so Ex-Verteidigungsminister Struck, die wird am Hindukusch verteidigt. Irgendwann verteidigen Talibanis und Al Kaida-Anhänger im Gegenzug ihre Freiheit in Berlin. Und mit jedem Gefecht, da fällt das Töten leichter. Es ist eine reine Übungssache. Die GIs und Tommys haben uns da noch einiges voraus. Aber die Krauts, die werden wie die Berserker dazwischen gehen, wenn sie erst mal dürfen. Und sie dürfen nicht nur, sie sollen endlich auch.

Der Spiegel hat Recht: Afghanistan wird zum Ernstfall: Für die deutsche Politik, für alle Bürgerinnen und Bürger. Einzig die Linkspartei hat bislang ohne Wenn und Aber alle Auslandseinsätze der Bundeswehr abgelehnt.

Bei allen anderen Parteien erkennt man nur taktische Differenzen. Die F.D.P. z.B. : Ja zum Afghanistaneinsatz, Nein zur Libanonmission! Für die F.D.P. bloß eine Frage der jeweiligen Effizienz. DIE GRÜNEN allerdings, die ehemaligen ÖKOPAXE sind voll dabei. Aber bitte schön nicht mit Wehrpflichtigen, sondern wenn es geht mit Berufs-Rambos, pardon einer Berufsarmee. Man lässt lieber das blöde Volk für sich kämpfen und sterben. Der Kommentator kennt sie alle aus seiner GRÜNEN-Vergangenheit, die grünen Oberpazifisten Winni Nachtwei, Angela Beer usw., die jetzt sämtlich wichtige und verantwortungsvolle Posten einnehmen... oder an amerikanischen Eliteuniversitäten die Notwendigkeit der PAX AMERICANA predigen. Sei gegrüßt Du alter Steinewerfer:

Ja, er hat recht der Spiegel, den Verrat von pazifistischen Grundsätzen, das Töten oder Töten lassen, das müssen die Deutschen, immer noch hitlergelähmt, wieder richtig erlernen.

Es wird indes Zeit, dass die trotz allem „Lernunwilligen“ endlich aufstehen, entschieden ihre Stimme erheben und unmissverständlich bekunden: “Holt sie alle heim unsere Soldaten-Mädels und -Jungs.” Wir wollen nicht Töten lernen, wir wollen den weltweiten Frieden mit Natur und Mensch erlernen. Basta, es reicht! Germans and all soldiers from all countries come back home! Es gibt für jeden genug zu Hause zu tun. Packen wir es an!

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