Lesermeinung

| 27. November 2006 
Lieber Herr Pestemer, schön, dass Sie auf meinen Leserbrief reagieren. Es gibt einige Punkte in Ihrem Artikel, die ich doch nicht undokumentiert lassen kann. Ich denke damit sollten wir es dann gut sein lassen und es den Lesern überlassen, sich ihre Meinung zu bilden.

Verstehen kann ich allerdings nicht, wieso Sie Ihren Brief als eine Reaktion der „Privatperson Richard Pestemer“ einleiten. Ihre zugegebene Entgleisung haben Sie als Fraktionsvorsitzender im Verbandsgemeinderat getätigt. Dies ist in der Qualität schon etwas Anderes, als sagt man so etwas als Privatperson vielleicht an der Theke. Sie haben dies als Mitglied eines Rates getan und schädigen damit das Ansehen der ganzen Verbandsgemeinde, wie ich bereits mehrfach aus Reaktionen auch aus benachbarten Gemeinden erfahren konnte.

„Der Beitrag von Herrn Schu sollte nur den Appell an unseren Bürgermeister vorstellen“, so Ihre Erklärung für das Fehlen eines wichtigen Teils der Auseinandersetzung. Wieso erwähnt dann Herr Schu doch etwas reißerisch das Zerreisen der Briefe, aber nicht Ihre Entgleisung.

Als Schüler hat man mir in Geschichte beigebracht, dass das bewusste Weglassen von Informationen eine Nachricht verfälscht. Sie als Verantwortlicher Redakteur sollten darauf achten, dass man die Spielregeln einer neutralen Berichterstattung einhält – dies ist IHRE Aufgabe und IHRE Verantwortung gegenüber Ihren Lesern.

Ihre Abhandlung über den Unterschied „Nazivorwurf“ oder „wie die Nazis“ kann man in dieser Form wohl nur als Philosoph nachvollziehen. Wobei ich „Spitzfindigkeiten“ dieser Art sonst nur von aalglatten Partei-Politikern kenne; eine Berufsgruppe die Sie ja aus innerstem Herzen ablehnen.

Das Zerreißen eines (Wahlkampf-)Briefes und Ihr „wie die Nazis“ qualitätsmäßig als eine gleichwertige Entgleisung einzustufen, zeugt von einem etwas merkwürdigen Geschichtsbewusstsein. Eine solche Entgleisung nun im Nachhinein auch noch nach dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“ zu rechtfertigen ist genau so schlimm, wie die eigentliche Entgleisung selbst. Anstatt sich zu entschuldigen und zuzugeben, dass Sie hier weit über das Ziel hinaus geschossen sind (so was tun sogar Partei-Politiker), rechtfertigen Sie Ihre Entgleisung und machen Sie damit zu einem legitimen Mittel der politischen Auseinandersetzung. Ist Ihnen jedes Mittel recht?

Sollte ein solches Verhalten Schule machen, werden wir in Zukunft keine Bürger (Wir sind das Volk) mehr finden, die sich als Gegenleistung für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit auch noch beleidigen lassen.

Der von Ihnen beklagte „neue Auseinandersetzungsstil“ ist gerade von Ihrer Fraktion in den VG-Rat hineingetragen worden. Das Verteilen eines (Wahlkampf-)Briefes vor einer Sitzung, der in meinen Augen Beleidigungen und Unverschämtheiten enthält, das ist Ihr Stil.

Hierauf ist Ihre Frage „Ist es ein demokratisches Verhalten und gewählten Volksvertretern in einem Kommunalparlament würdig?“ anzuwenden. Sie sind ein Meister im Fingerzeig auf Andere, ohne den eigenen Stil zu hinterfragen.

Sie bezeichnen sich als verfolgte („mundtot) „anders denkende VG-Ratskollegen“, als sei Andersdenken etwas ganz Besonderes. Ich kenne den VG-Rat nicht, aber im Heidenburger Gemeinderat gibt es eine Menge von anders denkenden Ratskollegen – und oft gehöre ich auch dazu, ohne mich verfolgt zu fühlen.

Und wieder stellen Sie sich als Retter der Menschheit dar. „Ein Weiter-So“ darf es nicht geben und dafür wollen Sie kämpfen. Dies ist eine einfache Aufgabe – kommen Sie mit Ihrer Fraktion auf den Boden der Spielregeln und Gesetze zurück und erklären Sie öffentlich Ihre Entgleisung als einen Fehler und versuchen Sie nicht noch diese zu rechtfertigen. Sie als Philosoph sollten wissen, dass eine Entschuldigung auch ein Zeichen von Größe sein kann.

Sie stellen Vermutungen an über die Gründe, die das Zerreißen des Briefes ausgelöst haben.

Die von Ihnen angeführten Appelle an den Bürgermeister bedeuten im Umkehrschluss, dass sich Herr Dellwo bisher anders verhalten hat.

Unter diesem Gesichtspunkt enthält Ihr Brief nachfolgende Punkte, die direkt gegen den Bürgermeister gerichtet sind:

  • Sie fordern eine Kurskorrektur – der Wähler hatte hierzu die Möglichkeit; er hat sich dagegen entschieden (Wir sind das Volk)
  • Herr Dellwo ist ein Mann der Parteien und nicht der Bürger (die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht dies wohl anders)
  • Herr Dellwo ist ein Popanz („lächerliche Witzfigur“), der von den Parteien abhängig ist. Die Bezeichnung (sie werden hier als Philosoph sicherlich wieder argumentieren, dass sie ihn ja nicht so bezeichnet hätten, sondern nur wenn …) eines mit großer Mehrheit gewählten Bürgermeisters ist einfach nur unverschämt.
  • Herr Dellwo arbeitet nicht mit den Bürgern
  • Herr Dellwo soll sich der Parteien entledigen (Faschistische Diktaturen entledigen sich demokratischer Parteien)
  • Herr Dellwo unterstützt Günstlingswirtschaft (Vorwurf eines Straftatbestandes)

Dies sind die Gründe – für mich übrigens nachvollziehbar.

Und nach dem von Ihnen erlangten Wahlergebnis auch noch davon zu sprechen, es gäbe ein Wählervotum für Ihre Forderungen – sie müssen Irgendetwas falsch verstanden haben.

Und zum Schluss noch mein Hinweis: es geht in meiner Leserzuschrift nicht nur um den Nazivorwurf, es geht eben auch um Ihren Politikstil.

„Nicht bewiesene Vorwürfe und Beschuldigungen“ – vielleicht hierzu ein paar beweisbare Fakten (ich unterstelle hier, dass die mir vorliegenden Daten richtig sind), damit Sie und die Leser wissen, was ich damit meine.

Fakt ist, dass Ihre Fraktion nunmehr mit den Listenplätzen 8,9 und 10 im VG-Rat vertreten ist. Zwischenzeitlich ist ein Mitglied (8) aus Ihrer Fraktion ausgetreten.

Hier kann sich der Leser ein eigenes Bild über die Vorgänge innerhalb Ihrer FWG machen und darüber spekulieren, was wohl 8 mögliche Mandatsträger dazu bewogen hat ihr Mandat niederzulegen bzw. erst gar nicht anzunehmen.

Verzeihen Sie, wenn ich die Vorgänge in Ihrer Fraktion mit dem Wort „demoliert“ umschrieben habe. Mir ist hierzu kein anderer Begriff eingefallen und nachsehen konnte ich auch Nirgendwo, da diese Vorgänge wohl einmalig im ganzen Bundesgebiet sind.

Sie, als eines der Mitglieder haben gerade mal 273 Personenstimmen von über 12000 möglichen Stimmen erhalten. Ihr Kollege Schu nur 258. Damit stehen Sie mit Ihren Personenstimmen an 55. Stelle aller Bewerber! Sie sollten sich schon die Frage gefallen lassen, ob Ihre Mitgliedschaft im VG-Rat den Willen des Volkes widerspiegelt, den Sie doch so auf Ihre Fahnen geschrieben haben, als ob alle anderen diesen Volkswillen ignorieren würden.

Die von Ihnen kritisierten Ratskollegen Brück und Jäger bringen es zum Vergleich immerhin auf fast 3000 direkte Personenstimmen.

Auch Ihr Ergebnis bei der Ortsbürgermeisterwahl in Neunkirchen mit 59% der Stimmen ohne Gegenkandidat ist ja nicht gerade ein Vorzeigeergebnis. Bei einem Gegenkandidaten wäre das schon sehr knapp geworden, wenn man von denen, die Sie nicht haben wollten noch die abziehen würde, die sich wissentlich für einen anderen Kandidaten entschieden hätten.

Hier freue ich mich bei der nächsten Wahl, auf die von Herrn Schu geforderten 4 Gegenkandidaten.

13,58% bei der Wahl des Verbandsbürgermeisters, von denen die „Gegner“ (oder Protestwähler) von Herrn Dellwo noch abzuziehen wären (bei der letzten Wahl 7,6 %), spiegeln eben auch kein Wählervotum für Ihr Handeln in den letzten Wochen und Monaten wider.

Ich möchte meinen Leserbrief mit einem Zitat (frei zitiert) des ehemaligen Landtagsabgeordneten Günter Rösch über Sie, beenden.

„Das Volk hat Richard Pestemer erkannt. Er ist kein Märtyrer, sondern aggressiv“

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