Friedensnobelpreis geht an einen "Banker"

Entscheidung für Muhammad Yunus ist wegweisend
| 27. Oktober 2006 
Man kann es als kleine Sensation bezeichnen, was das Nobelpreiskomitee sich zum Friedensnobelpreis ausdachte. Mit der Verleihung dieser weltweit beachteten Auszeichnung an den Wirtschaftswissenschaftler und „Bankier der Armen“, Muhammad Yunus, hat es bewiesen, dass etwas wichtiges erkannt wurde: Alles hängt mit allem zusammen, man kann unsere Wirtschaftsordnung nicht folgenlos von moralischen Werten abkoppeln. Dennoch ist das Alltag, und der größte Wunsch von Muhammad Yunus ging bis heute nicht in Erfüllung: "Ich wünsche mir viele Nachahmer". Vielleicht trägt die Verleihung des Friedensnobelpreises zum Umdenken bei, vielleicht veranlasst sie wenigstens öffentliche Sparkassen und Genossenschaftsbanken dazu, sich auf diesen Weg zu begeben, langsam aber sicher. Lesen Sie hierzu, was die Trierer Bistumszeitung Paulinus dazu schreibt.

Yunus ist sehr gute Wahl

Friedensnobelpreis: Katholische Kirche gratuliert dem „Bankier der Armen“ Von Bruno Sonnen

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Wirtschaftswissenschaftler und „Bankier der Armen“, Muhammad Yunus, ist von der katholischen Kirche in Deutschland begrüßt worden.

„Wir alle verdanken Ihnen ein großartiges menschliches Zeugnis und wichtige Anregungen für unsere Arbeit“, heißt es in einem Glückwunschschreiben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, an den neuen Friedensnobelpreisträger.

Yunus sei eine „sehr beeindruckende Gestalt“, die sich besonders für die Frauen in Bangladesch eingesetzt, ihnen bei der Selbstorganisation geholfen und ihnen somit die Würde wiedergegeben habe, sagte der Präsident der Europäischen Kommissionen von „Justitia et Pax“, der Trierer Weihbischof Leo Schwarz, dem „Paulinus“. Yunus stehe für die Botschaft, dass „kleine Leute kreditwürdig sind“. Der Nobelpreis sei die „Anerkennung eines Lebens für die Armen“ und für „die Wertschätzung ihrer Würde und ihrer Fähigkeiten“. Yunus habe bereits vor über 30 Jahren nachvollzogen, warum Menschen, vor allem Frauen, arm seien. Sie würden von zentralen wirtschaftlichen Institutionen ausgeschlossen und als „nicht bankfähig“ angesehen, erläuterte Schwarz, der Yunus seit langer Zeit persönlich kennt. Die Grameen Bank („Bank der Dörfer“) habe wesentlich dazu beigetragen, dass sich diese Sicht verändert habe. Mittlerweile gebe es zahlreiche professionelle Mikrofinanzinstitutionen, die ähnlich wie die Grameen Bank einen Beitrag zur Armutsbekämpfung leisteten.

Auch das Hilfswerk Misereor betonte, mit der Auszeichnung werde gewürdigt, dass „die Armen Subjekte ihrer Entwicklung“ seien.

Das norwegische Nobelkomitee hatte den Nobelpreis am 13. Oktober an Muhammad Yunus und die von ihm vor 30 Jahren gegründete Grameen Bank vergeben. Ziel der Bank ist es, den Ärmsten mit Kleinst- und Mikrokrediten von oft nicht mehr als 30 Dollar aus dem Elend zu helfen. Bei Grameen müssen die Kreditnehmer – im Gegensatz zu allen anderen Banken – keine materiellen Sicherheiten vorweisen. Das Kreditunternehmen hat heute nach eigenen Angaben über 6,6 Millionen Kunden und hat bislang Darlehen von mehr als fünf Milliarden Dollar vergeben. Neun von zehn Kreditnehmern sind Frauen. Die Rückzahlungsmoral ist den Angaben der Bank zufolge sehr hoch und liegt bei weit über 90 Prozent.

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