Vergabepraxis in der VG-Thalfang am Erbeskopf

| 22. Mai 2006 
"Weil Plaudern tabu ist", so der Trierische Volksfreund vom 19.Mai, schaltet VG-Bürgermeister Dellwo den Staatsanwalt ein. Vermutlich waren Mauscheleien in nicht-öffentlichen Sitzungen an die bislang nicht informierte Öffentlichkeit geraten. Denn eine große Mehrheit im VG-Rat und in den Fachausschüssen hat sich vehement und nachhaltig für die Auftragsvergabe in Sachen Sanierung der Regionalschule an die ortsansässige Ingenieure - Arbeitsgemeinschaft Sommerfeld-Brückner eingesetzt.

Regional immer Erste Wahl ?

Jetzt soll es der Staatsanwalt richten. Er soll die undichten Stellen im VG-Rat und in den Fachausschüssen aufdecken, wo durchsickerte, dass – komme, was da wolle – die ortsansässige Ingenieure-Arbeitsgemeinschaft Sommerfeld-/Brückner wegen der Sicherung der regionalen Wirtschaftschaft und der Arbeitsplätze in Sachen Sanierung Regionalschule den Zuschlag erhalten soll. Da mögen in dem von der freien Wählergruppe "aufgezwungenen europa-weiten Vergabeverfahren" angesehene Architektenbüros aus ganz Deutschland in ihrer hochprofessionellen Präsentation im öffentlichen Teil der letzten VG-Ratssitzung erzählen, was sie vollen: "Die-von-uns", die kriegen den Zuschlag. Selbst wenn "Die-von-uns" sich mit ihrer Aussage, dass sich erneuerbare Energien nicht rechnen werden, bei ihrer Präsentation nicht gerade als 1. Adresse nach vorne geschoben haben.

Und hier fangen die eigentlichen Probleme an, nämlich welches Verständnis die Mehrheit im Thalfanger VG-Rat von Regionalität, von der pädagogischen Rolle auch in baulicher Hinsicht hat. In mehreren Versuchen haben die Architektenkammer Rheinland-Pfalz, aber auch die Kammergruppe der regionalen Architekten, vertreten durch den ortsansässigen Architekten Hubert Schu, VG-Bürgermeister Hans Dieter-Dellwo und seine Mitarbeiter von dieser „baulichen Komplexität und gesellschaftlicher Relevanz" - wie es die zu sanierende Regionalschule in Thalfang ist – zu überzeugen versucht, die "ein schlüssiges Gesamtkonzept“ erfordert. Denn die Ortsgemeinden, die die Sanierung der Schule über Umlagen finanzieren, sind sehr daran interessiert, dass eine zukunfts- und tragfähige Schule aus einer schlüssigen Gesamtsanierung hervorgeht und nicht eine funktionslose, pädagogisch fragwürdige Anhäufung von baulichen Einheiten."

Konkret bedeutet dies, grundlegende Aspekte zu berücksichtigen wie z.B.:

  • Verknüpfung von Innenraum und Außenraum, sprich keine Kastenbauweise, die Kinder einsperrt
  • Keine energetisch unsinnigen Flachdachgebäude.
  • Einsatz von Baumaterialen und nachwachsenden Dämmstoffen aus der Region zum Einsatz bringen (also kein Allerweltsprodukt Styropor)
  • Umfassender Einsatz von erneuerbaren Energien wie Solar, Photovoltaik und Hackschnitzelheizung, was angesichts der steigenden Energiepreise, wirtschaftlich zwingend geboten ist. Das sichert zudem regionale Wirtschaftskreisläufe und Arbeitsplätze
  • Die jeweils aktuellen Schadstoffeinsparrungen durch den Einsatz erneuerbaren Energien visuell darstellen, so dass Schüler, Eltern und Kindern plastisch sehen: Hier in unserer Schule werden Klima und Umwelt geschützt. Hier wird unsere Zukunft in unserer Region gesichert!
  • Umfassende transparente Bürgerbeteiligung im Vorfeld des Vergabeverfahrens, vor allem aber Einbeziehung der Schüler und Eltern in die Gesamtplanung der Sanierung der Regionalschule
  • Einbindung der Eltern, Lehrer und Schüler bei der Schulsanierung durch Eigenleistungen, z.B. bei der Durchführung von Dämmmaßnahmen mit nachwachsenden Rohstoffen aus der Region: Glaswolle juckt, Styropor fühlt sich kalt an, aber Hanfplatten z.B. sind angenehm weich und leicht zu verschaffen.

Aber es ist ja noch nicht zu spät dazu. Aus den begangenen Fehlern kann ja gelernt werden. Vor allem aber, dass das Regionalprinzip nicht mit dem Staatsanwalt durchgesetzt werden kann, sondern nur mit einem transparenten und bürgernahen Vorgehen. Dann bräuchte auch ein ortsansässiges Architektenbüro den Wettbewerb mit auswärtigen renommierten Mitbewerbern in einem EU-weiten Vergabe-Verfahren nicht zu scheuen.

Eingebunden in einen umfassenden Bürgerbeteiligungsprozess wird Regional als Erste Wahl sich als zukunftsfähig erweisen.

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Deutsches Architektenblatt 2/2006:Schule bauen - Bauen schult !

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