Natur pur?!

| 22. April 2006 
"Gott, der Herr nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden damit er ihn bebaue und behüte" Gen. 2,15 *

Das hat irgendjemand irgendwann mal in die Bibel geschrieben...

„Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein
und durch meine Blüte fließt die Sonne in mich rein
Ich bin ein Gänseblümchen und mir wird ganz warm
Ich könnt` die ganze Welt und dann mich selbst umarmn
Ich bin ein Gänseblümchen ohne Aggression
Wut, Ärger was bringt das schon“

Das hat JBO geschrieben (und gesungen)

Eine Reihe merkwürdiger Ereignisse hat mich heute spontan dazu gebracht, diesen Artikel zu schreiben. Der Auslöser: es wird endlich Frühling! (...sagt der Wettermensch im Radio)

„Juhu“ freut sich unser linker Nachbar und schmeißt glücklich nach langer Winterpause seinen Rasenmäher an, „endlich wieder die Natur genießen!“

Irgendetwas fühlt sich komisch an. Dabei strotzt alles nur so vor Frühlingsidylle:

Menschen, die im Palastgarten oder sonst wo sitzen und glücklich die ersten Würstchen grillen, Kinder die auf Inlineskates die Straße hoch und runter rollen und von besorgten Müttern mit Sonnencreme in der Hand verfolgt werden, Cabriofahrer die jetzt endlich wieder lässig ihr Verdeck öffnen und uns mit Udo Jürgens und Co. beschallen können, ganz zu schweigen die von Frühlingsgefühlen Heimgesuchten, die ihre Naturverbundenheit in den Ginsterbüschen hinter der Hauptstraße ausleben, um danach ihre Liebesschwüre in die romantisch verkrüppelten Birken im Garten gegenüber einzuritzen. Der Nachbar auf der rechten Seite hat sich derweil mit einer Monsterunkrautvernichterkanone ausgerüstet, um unter Anderem die gerade erst durch den Boden gekrochenen Gänseblümchen in den Gänseblümchenhimmel zu befördern, er nennt das: „die Terrasse frühlingsfit machen“. Was Gänseblümchen angeht, die Kinder mit den Inlineskates machen gerade Pause und finden dabei heraus, wer nun wen liebt und wer nicht und sind dabei sogar noch effektiver als die Chemikalien. Außerdem kam heute meine Oma zu Besuch, durchstreifte mit fachkundigem Blick unseren Garten und stürzte sich freudestrahlend auf ein Büschel unschuldigen Löwenzahn: „Kinder, hier ist ja alles voller Salat!“ Ach so. Für die einen ist es also Unkraut, für die anderen Salat. Und was ist es nun wirklich? Ein Namensgeber für eine Kinderserie, der einmal pro Woche von Peter Lustig vor seinem pseudoökologischen Wohnwagencontainer auf der Suche nach neuen Herausforderungen zertrampelt wird?! Na gut, Peter Lustig ist noch verhältnismäßig unschuldig. Die Umstände sind das Komplizierte...

Ich sitze derweil mit einem Laptop auf den Knien auf einer Gartenliege, berühre die Natur in Form von Gras maximal mit der Spitze meiner Schuhsohle, lausche den unter der Stallpflicht leidenden Hühnern von Nachbar Nummer drei und betrachte die im Gartenteich eingepferchten Goldfische (wer ist besser dran, Hühner oder Fische?!) mit einem Blumenkranz auf dem Kopf und einer Sonnenbrille auf der Nase und denke nach. Ein abgerupftes Gänseblümchenblütenblatt segelt langsam vorbei...

Lesermeinungen:

    Keine Kommentare
Für diesen Eintrag werden keine Kommentare mehr angenommen