Biosprit wird teurer

So titelt der TV am 16.03.2006
| 21. März 2006 
Jetzt hat sich Peer Steinbrück doch durchgesetzt, heißt es da, und darf auch auf Biosprit Steuern erheben. Und den Höchstsatz von 15 Cent pro Liter ausgerechnet auch auf reines Pflanzenöl. Biodiesel aus der Zapfsäule kommt mit 10 Cent davon. Dass sie als Ausnahme für Land- und Forstwirtschaft weiterhin „steuerfreies Tanken“ durchsetzen konnten, feiern Seehofer und Glos als Erfolg, und mit ihnen freut sich der Bauernverband. Aber was haben die Landwirte wirklich gewonnen? Nur einen Vorteil fürs eigene Portemonnaie, eine echte Chance für ihren Berufsstand sähe ganz anders aus:

Vor wenigen Wochen hat sich in Ürzig an der Mosel die Regionale EnergieGenossenschaft gegründet. Eines ihrer Hauptziele ist die Unterstützung regionaler Wertschöpfung und regionaler Wirtschaftskreisläufe: Raps, angebaut von Landwirten der Region, zu Öl kaltgepresst in eigenen oder gemeinschaftlichen Ölmühlen statt als Raffinat gewonnen in zentralen Raffinerien und angeboten in einem dezentralen Netz von Pflanzenöltankstellen für „PÖL“fahrer mit entsprechend umgerüsteten Dieselmotoren. Eine solche kleinräumige Entwicklung aus eigener Kraft ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch ein Segen für eine nachhaltige regionale Wirtschaft, und deswegen wird die Regionale EnergieGenossenschaft ihr Projekt sicher auch trotzdem weiter forcieren.

Aber es wäre sehr zu wünschen, wenn alle, die daran Interesse haben (müssen) – ob Kommunen, Parteien, Bauernverbände – einen neuen Anlauf unternähmen: Ziel sollte sein zu erreichen, dass im anstehenden Gesetzgebungsverfahren kaltgepresstes Pflanzenöl doch noch von dieser Regelung ausgenommen wird. Seine Herstellung vor Ort ist arbeitsintensiv, spart Transporte und den Einsatz von unnötiger zusätzlicher Energie. Wenn „Arbeit – Arbeit – Arbeit“ in der Politik wirklich oberste Priorität genießt, wäre es geradezu kontraproduktiv, ausgerechnet solchen Entwicklungen Steine in den Weg zu legen, die nachhaltig dafür sorgen können, dass mehr Geld in die Finanzierung von Arbeit fließen kann statt in die Vermehrung von Zinsen für die Kapitalgeber der „Global Player“.

 

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